Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 112 — lichen Jugend nur zu berechtigt erscheinen! Sie können helfen, indem sie — zumal die Töchter der besitzenden Klasse — ihr ganzes Leben, ihre Anforderungen an die äußere Führung der Ehe einf a ch e r gestalten,; aber auch, indem sie als Freundinnen in des Wortes reinstem Sinne die männliche Jugend in ihrer reinen Welt und fern von den Lockungen unruhigen Verkehrs halten. Ist es doch eine wohlbekannte und psychologisch verständliche Tatsache, daß junge Männer, die in kameradschaftlich-freundschaftliche Beziehung zu edlen Frauen treten, einen wahren Widerwillen gegen die verlogenen Sphären der Halbwelt verspüren. Wenn dann mitunter aus solchen Freundschaften der Wille zur Ehe, zur Frühehe erwächst, so braucht unser Jugendverband über solche natürliche Entwickelung wahrlich nicht bekümmert zu sein, um so weniger, als solche Ehen dann gewöhnlich nicht nur in ideeller Hinsicht unfern Beifall wecken werden, vielmehr bewußt oder unbewußt dem Willen entsprangen, eine auf bescheidenes, aber harmonisches und darum gesundes Leben abzielende Gemeinschaft zu zweien zu schaffen. Ein Drittes fordere ich als Neues in den Arbeitsplänen unserer, Verbandsvereine, und dieses Tritte gilt unseren vornehmen Pflichten, die wir dem geliebten deutschen Vaterlande in ''er Zeit seiner schwersten Prüfung ganz besonders schulden, gilt unserer D o p p e l n a t u r als jüdische und deutsche Jugcndvereinigungen. Um jeder Mißdeutung von übelwollender Seite vorweg den Srack)el zu nehmen, sei hier bemerkt, daß dieser Programmpunkt in der Frankfurter Konferenz nur flüchtig berührt wurde, daß ich also hierbei ganz besonders meinen eigenen Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen und Ueberzeugungen Raum gebe. Eine solche Einflechtung mag dem einen betrüblich, anderen komisch erscheinen, und sie hat in ihrer Notwendigkeit von beiden etwas an sich; der Kenner der Dinge wird aber die Notwendigkeit ohne weiteres bestätigen müssen! Denn die in den bald drei Kriegsjahrcn draußen standen und stehen, den feldgrauen' jüdischen Kämpfern und Helden, erwuchs allen schon einmal und öfters der Zwang, sich davon Re chen schüft abzulegen, wie sie ihrer doppelten Eigenschaft als Deutsche und Juden, als I u - den und Deutsche in Treuen gerecht wurden, wie sie diese Zweinatur in edler Harmonie verschmolzen. Sie haben in Gesprächen mit jüdischen und christlichen Kameraden, in der weihevollen Zwiesprache mit der eigenen Seele, ihrem Gewissen gesucht und gerungen, zu einer unumwerflichen Klarheit zu gelangen. Manchen ists gelungen, und sie seien glücklich gepriesen, wie auch die Lösung nach ihrer ehrlichen Ueberzeugung sich gestaltet haben mag: die meisten stehen noch unentschieden und sicherlich innerlich unglücklich im Streben nach harmonischer Bewältigung des für uns deutsche Juden wichtigsten inneren Problems, unglücklich im Hinblick auf ihre nichtjüdischen Kameraden, deren Ruhe und Selbstsicherheit im „christlichen Staatss" keine Er-