Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 — rufen fühlen und in dieser selbst. Gegen eines züglich Verwahrung einlegen damit begnügen, etwa diese go> derungen als grundsätzlich richtig, aber als in der Praxis des Lebens Solches Liebäugeln mit Gedc getraut, ist verwerfliche Halble Einwand von den Hindern Massen liegen, gegenüber der erstehen wird, so muß gleich möchte ich aber unver- Man darf sich unter keinen Umständen schwer zu verwi rklichende hinzustellen: ken, die zu verwirklichen man sich nicht i immer wiederkehrende; der sozialen Lage der dieser Ideale wieder * werden. Kdin e t. Ta aber der rissen, die in Durchführung darauf eingegahgen Zweifel, daß sich die wi r t s cs a f t l i ch e La g e der deutschen Judenheit in einem der Frühehe und dem Kinderreichtum ungünstigen Sinne , in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Abcrnn genau der gleichen Lage befinden sich große Tci e des nichtjüdischcn Teutschlands. Und wie man nun von seiten des Staates mit aller Macht die zur Hebung" der Volkszahl führenden Momente fördern wird, so muß dies auch den Trägern jüdischer Sozialpolitik angelegen^ sein. Tie Wirkung aller in letzter Zeit so vielfach erörterten Vorschläge an dieser Stelle würde uns vom Thema zu sehr ableiten. Tarstm sei hier Nur eines der zahlreichen Mittel, meine- Erachtens das wichtigste von allen und in der öffentlichen Besprechung viel zu wenicj beachtete, herausgegrisfcn und scharf in unseren Gesichtskreis gerückt, weil kein anderes gerade bei uns Juden so gründlich die erste uüd letzte Ursache aller ethischen und wirtschaftlichen Uebelstände heben ldürfte. Tie Landflucht der Juden, das Hinströmen nach den Städten hat zur Acndcrung ihrer Zusammons:tzuijg in wirtschaftlicher Hinsicht, zum Hindrängen nach den gewinnbringenden Berfisen, nach der gehobeneren Gesellschaftsschicht md damit im Zusammenhang zu Spät- Heirat und Beschränkung der Kinderzahl geführt; damit ^and in .Hand ging nun auch der Umschwung im sexualetyischen Tun und Denken. Alle Kräfte müßten also zuvörderst parauf gerichtet sein,, möglichst rasch die Volksbewegung wieder in umgekehrte Richtung zu lenken, von derStaHt nach dentLande. Wird die gleiche Bestrebung der auf Hel ung der Volkszahl gerichteten staatlichen Politik gelingen, wird sie u. a. planvoll darauf hinarbciten, kleine L am d st ü ck e zu industrialisieren, die Fabriken mehr aufs LaNd zu verlegen, zudem nicht nur den Städten, sondern auch den Landstädtchen höhere Bihdungs-, Vertvaltungs- und, Rechtsprechungsstätten zukommen zu fassen, dann werden auch die aufwärtsdrängendeü, bildungshungrig^cn Juden sich zur Rückkehr aufs Land und zu dessen naturgemäßejn Leben entschließen. Tie Zukunft der Judenheit in Deutschland ist also auf Gedeih und Verderb mit der erfolglichen Durchsetzung der staatlichen Bevölkerungspolitik verbunden. Seh^n wir also, in welch gewaltig umfassendes Problem unsere „sittliche Forderung" letzten Endes ausmündct, so wird ein Ruf nach der tätigen Mitarbeit auch der w e i b -