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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-09-10 · 4 (10.9.1917) · p. Seite 110

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
4 (10.9.1917)
Date
1917-09-10
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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- 110 - Guten erfahren. Denn nicht nur zur Verminderung dieser betrüblichen Nachsagen sind wir uns selbst eine Reform sexualethischen Handelns, Denkens und Bekennens schuldig, sondern weil wir im Hinblick auf den jüdischen Lolkskörper, seine Gesundung, seine Krafterhaltung „besser" als unsere Gegner sein müssen. Welche vitalen Interessen für uns deutsche Juden auf dem Spiele stehen, wird jedem eingeweihten Einsichtigen mit einem Schlage klar, wenn ich das Gespenst Bevölkerungsproblem, das eben allüberall seinen Spuk treibt, einen Augenblick vor uns auftauchen lasse. All die Warnrufe angesichts der steten Abnahme des Geburtsüberschusses gegenüber der jährlichen Stcrbezahl, die schon vor dem Kriege und jetzt gellend laut in Deutschland vernehmbar wurden, gelten für die Judenheit in Deutschland in vielfach gesteigerter Tönung. Wir hielten es im Anfang für Schwarzmalerei, als warmherzige un» scharfblickende jüdische Sozialpolitiker den bevorstehenden Untergang der deutschen Juden infolge vielfacher Ehelosigkeit, Mischehe, Taufe, Späthcirat, Unfruchtbarkeit und gewollten Ein- und Ztveikindersystems redeten. Allein ungekünstelte Statistiken der letzten Jahre führten den.Rückgang der Juden in Deutschland der Volkszahl nach nur zu deutlich vor Augen. Eine Aenderung des scxualmoralischen Lebens bei der großen Masse unserer Jugend würde durch sexuelle Enthaltsamkeit bis zur Ehe viele bisher Gleichgültige, ohne Verantwortlichkeitsgcfühl gegen das Volksganze Tahinlebende nicht nur zur Ehe, nein zur F r ü h e h e und größerer Kindcrfreudigkeit drängen. Daß durch die Frühche hinwiederum den für uns Juden besonders bedenklichen Geschlechtskrankheiten und der durch sie bedingten Kinderlosigkeit oder der Zeugung kränklicher Kinder vorgebeugt würde, will ich heute nur andeutcn. So nahe mir als Arzt gerade diese Jdeenverbindung liegt, so sehr widerstrebt es mir. als ethisch'gerichtetem Menschen, hier die Furcht vor üblen Folgen gesundheitlicher Natur, also etwas Negatives. auf den Plan zu rufen, wo doch das Positive, ein fester Wille, ein mannhafter Entschluß, zur Genesung des ganzen Volkskörpers und -Geistes weit eher, sicherer führen würde und mutz. Gewiß werden wir der von uns geleiteten Jugend auch zu sagen haben, welche gesundheitlichen Gefahren ihnen drohen, wenn sie den Verführungskünsten feiler Dirnen aus mangelnder Festigkeit oder im Alkoholrausche nicht die Stirn bieten. Aber das Entscheidende unseres Wirkens, das höchste Ziel erblicke ich in der Weckung allerhöchsten sittlichen Verantwortlichkeitsgefühls. Das gelingt nicht in Einzelvorträgen, hier ist planvolles, von Prüderie wie Gesinnungsschnüffelei gleich weit entferntes Vorgehen nötig. Richtlinien hierfür werden späterhin zu erörtern sein. Jetzt kommt es darauf an, die Entschlossenheit zu raschem Schaffen und zu einer in Erkenntnis der Bedeutsamkeit freudiger, begeisterter Mitarb«t aufzurütteln, — in allen, die sich als Führer der Jugend be-

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