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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-09-10 · 4 (10.9.1917) · p. Seite 108

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
4 (10.9.1917)
Date
1917-09-10
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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— 108 — für viele recht Merkwürdiges. Tie Rabbiner, Lehrer, Erzieher »nd Jugendleiterinnen hießen unser auf die Neubelebung religiösen Fühlens gerichtetes Streben zwar gut, aber sie hielten es kaum -für nötig, längere Erörterungen an diesen Programmpunkt zu knüpfen. Mit einer mir stets unvergeßlich bleibenden Wärme, einer ergreifenden Hingabe an den Gedanken nahm sich dagegen der erlauchte Kreis imserer Erwägungen an, ob nicht bezw. wie dem se xua l-m o ra l i - scheu Leben und Denken unserer jüdischen Jugend unsere Arbeit helfend und bessernd, belehrend! und fördernd gelten müsse. Eine vornehme, kluge, ihrer ganzen Wesensart typisch-weibliche Iran mit, schon silbrig glänzenden Haaren, deren seitheriges Leben wie 'ein einziges Opfer des eigenen Ich für die Gesamtheit der jüdiscksen Notleidenden und Schwachen, anmutet, gab den Auftakt, indem sie, bebend vor innerer Erregung, das angeschnittene Problem als für das weitere Leben des Verbandes und der gesamten Judcnheit entscheidend nannte. Und ihr zollte der ehrwürdige Führer der Frankfurter Judengemeinde Beifall in Worten des Rühmens üb'er weibliches Fühlen; und all die anderen Frauen und Männer Frankfurts mit reichen Lebenserfahrungen, wie ich sie schöner aus redegewandtem Munde noch nie hörte, stimmten ein. Weshalb ich diese, für unseren Verband vielleicht gar nicht wichtigen Aeußerlichkeiteu eines Vorganges festhalte? Wahrlich nicht, weil ich durch Weckung von Stimmungen eine Neuorientierung zugänglicher zu machen hoffe, deren Notwendigkeit jedem Gesunden, Vorurteilsfreien und Willensstärken das nüchterne Denken vor Augen fuhren muß. Ich wollte nur zeigen, daß liier nibt Forderungen verstiegener Ideologen am Werke sind, daß cs vielmchr reise, und des Lebens kundige Menschen sind, die eine entschiedene Stellungnahme zu unseren zwei Programmvunkten als dringliches Verlangen der Stunde richten. Und dann gedachte ich, döili weiblichen Teil unseres jüdischen Jugendverbandcs zu zeigen, daß hier Fragen zur Erörterung stehen, von denen unsere' Sägvestern nicht in falscher Scham sich zurückhalten dürfen, die vielunehr ihre tätige Mithilfe heischen. Warum 'aber, so werden viele verwundert fragen, soll mit einem Schlage für unseren Verband die Kämpferstellung gegenüber dem Fragenkomplex fexualethischen Tuns und Fühlisns erforderlich sein? Ist etwa die jüdische Jugend verderbter alö die anderer Konfessionen und Stämme, leidet sie mchr an den traurigen Folgen der Ausschweifung? Darauf können wir glücklicherweise mit einem entschiedenen Nein antworten. Freilich dürfen -wir heute auch nicht mehr den Ruhm für uns in Anspruch nehinen, auf den unsere Altvordern ein Recht haben und der nach

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