Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 107 — eines solchen Lehrplanes vor chwebt. Es mag genügen, daß ich Notwendigkeit, Endzweck und Bedeutung der Einführung zu jüdischreligiösem Erleben darlegte. Einem Bedenken recht x ewichtiger Art aber gilt's sofort zu begegnen: der Furcht nämlich, wir könnten bei der Durchführung iurse das Mißfallen irgendeiner partei- Jch bin felsenfest davon überzeugt, daß solcher religiöser Studien religiösen Richtung erregen. Leiter dieser Kurse auch nur sich auch leise Verstimmung:n werden vermeiden lassen, wenn die einigermaßen mit Takt und unter Berücksichtigung unterschiedliches Anlagen ihrer Hörer ihres Amtes walten. Dann aber ist zu bedenken, daß die letzte Nutzanwendung des ganzen Systems unserer Reisgionsgeschichte und Religionsphilosophic jedem einzelnen überlassen Werden kann und darf, daß es uns nur darum zu tun ist, der Jugeyd dieses System selbst in seinen leuchtendsten Farben vorzuführen,! seine Güte im Vergleich zu anderen zu zeigen: wo in der Neuzeit sich menschlicher Geist kritisch an unseren erhabenen Lehren versuchte unp daher die Schlußfolgerungen auseinandergingen, mag ja auch ein^ rein lehrmäßige Darlegung der unterschiedlichen Auffassungen aus dem Empfinden der verschiedenen Richlangen heraus, insbesondere also ohne Abgabe von Werturteilen, genügen. Auf diese Weise wird kein junger Mensch in seinem religiösen Empfinden verletzt oder gar erschüttert werden. Wir zumal vermeiden andererseits die Scheuklcppen der Schwächlinge. Wenn je eine Entgleisung unterläuft, so braucht dies nicht tragisch genonnnen zu werden, da doch alle Richtungen innerhalb unserer Judenheit von der Bedeutsamkeit des Endzweckes, der Bedeutung religiösen Fühlcns und Wollens, gerade in unseren Tagen sehr durchdrungen sind.. Wie die Notwendigkeit zur Tat klar und zwingend erkannt ist, dürfen kleine Bedenklichkeiten nicht hinderlich im Wege stehen. Unterschätzt aber unser Verband diese Notwendijgki it, so dürfte er's in Bälde schmerzlich an seinem Lebensmark verspüren Wir dürfen — so sei es zusammenfassend nochmals gesagt — nicht ruhen, bis jeder einzelne in u n s e r e n R e i h e n G e sch ich t e u n d L eh r in h a l t j ü d i s ch e r Religjon und die Geschichteihrer Träger wenigstens in den Haiiptzügen als unzerstörbaren G r u n d st o ck seines Wissens mit sich durchs Leben ti:a(en kann und sich freudig und laut, nicht nur mit der Dulde iniene, als j u n g e s G l i e d dieser alten Religionsgemeinschaft bekennt. Als wir an jenem eingangs erwähnten Dezember-Abend mit ertauchten Vertretern der Frankfurter Judenheit von unseren Zukunftsgedanken, unseren Plänen uni» Wünschen sprachen, da geschah etwas