Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 106 — l'eines 'Boltens im Beltengeschick, ihr ist die Belt nur im mystisch verklärten Lichte der Religion faßbat, und ihr innerer Sinn hat nur dann festen Halt, wenn der Strom religiösen Ahnens, Fuhlens, Böllens in ein breites tiefes, mit Dämmen wohl verwahrtes Bett geleitet wird. Hier wird nun mancher einwenden, es könne nicht Ausgabe und Ziel der Jugendverbände sein, auf das innerste Wesen unserer Jünglinge und jungen Mädchen gestaltend einwirken zu wollen, das sei eine vornehme und dauernd beachtete Pflicht des (Elternhauses und der Schule. Allein ich bin selbst längst zur Ueberzeugung gelangt — und jeder sein eigenes Seelenleben und das seiner Umgebung scharf Beobachtende wird zum gleichen Schlüsse kommen—, baß die beiden genannten, wichtigen Bildungsfaktoren im Leben des Einzelmenschen für sein religiöses Erleben wohl eine gute Grundlage schaffen können und müssen, daß aber der Ausbau erst nach der sclmlpflichtigen Zeit, nach dem Verlassen des Elternhauses erfolgen muß. Die Religion als Bildnerin der Beltanschauung, als Trösterin im Leide, Mahnerin im Jubel und Bürge großer Zukunftshoffnungen hat sich erst zu bewähren, wenn wir mit des Lebens Ecken und 'hinten Bekanntschaft gemacht haben. Beniger Menschen Art ist so früh reif, daß sie in der Zeit, da sie das System unserer jüdischen Religion e r l e r neu, zugleich diese Religion tiefinnerlich erleben. Just in der Zeit, da wir die Hoffnung jüdischer Zukunft der jüdischen Jünglinge und Jungfrauen in unseren Reihen umfassen, findet die Entwicklung zu selbständig betrachtenden und denkenden Individuen statt. .Bie man nun in den höheren Lehranstalten oder auf Hochütmlen die deutsche Geschichte und die der alten Griechen,und Römer wahrend der -Dberklassen ein zweites und drittes Mal durchniinmt, jedesmal von böherer Barte aus betrachtet, entsprechend dem höheren Auffassungsveimögen, so uiuß in unserem Verbände die jüdische Geschichte nicht nur, nein, vor allem ihr Geist, das Besen und Wirken lüüisch-religiöser Beltauffassung für sich und im Vergleich mit anderen Meligionssystemen ernelit durchgesprochen werden. Nichts wäre verfehlter, als diesem Plans in Einzelvorträgen nachgehen zu wollen, vergebliches Unterfangen. Kurse, von ebenso klugen wie b e - ij e i-ft c r t c n jüdischen Pädagogen können allein diesem hohen Zwecke dienen; mehrsemestrige Lehrgänge, in und zu denen emsig gearbeitet w e r S e n m u ß, etwa in der Art der Fuchsenstunden unserer^ Stitdentenschaft. Ich möchte mich nicht dem mitleidigen Lächeln unserer jüdischen Rabbiner und Lehrer aussetzen, indem ich mich verleiten lasse, auf ihr eigenstes Schaffensgebiet jüdischer Erziehung überzugreifen und im einzelnen darzulegen, wie mir die Ausführung