Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 - davon überzeugt, daß unser Programm zu dürftig ist, oder auch nur im Vergleich mit anderen so anmutet, als daß es bei der großen Masse der herangereiften Jugend auf die Tauer Begeisterung wecke. Man verstehe mich aber nicht falsch. Ich rufe nach einer Erneuerung, Erweiterung unseres seitherigen Programms, nicht nur und nicht einmal hauptsächlich, weil mir das früher nicht blendend genug nach außen wirkte, nicht aus Scheelsucht auf die Wirkung der Arbeitsweise anderer Jugendorganisationen. Auch im Hinblick auf unsere heiligen Verpflichtungen der Jugend und der gesamten Judenheit gegenüber erachte ich den Gehalt unseres Programms längst nicht als ausreichend genug. Was ich nunmehr sogleich zu fordern und fordernd zu begründen gedenke, gilt eigentlich weniger dem rein Stofflichen unserer Arbeitsweise, als der Herausschälung, der Namhaftmachung einiger bedeutsamer Arbeitsziele. Aber was in unseren ' einzelnen Jugendvereinen an Lehrhaftem, Erhebendem und Veredelndem geboten wurde, bedarf keines großen Ausbaus; wohl aber müssen wir unser Schaffen sonnenklar in den Brennpunkt einiger bewußter Endzwecke rücken. Und ich zweifle nicht daran, daß die klare Erkenntnis der durchgeistigten Zielstrebigkeit des Idealen,in unserer Arbeit in aller Zukunft der jüdischen Jugend.und damit zugleich dem Anschein der Werbekrast unserer Verbandssache zum Heile ausschlagen wird. Ich las kürzlich in einem kleinen Essay einer unserer führenden Tageszeitungen die feinsinnige Aeußerung, eine Organisation sei nur dann sittlich und tüchtig, wenn der kategorische Imperativ, die Freiheit und die Rechtsgleichheit in sie hineinkämen! Nun denn, diese Forderung gilt auch für unsere Organisation vollinhaltlich, und uni ihr zu entsprechen, haben wir unser Programm nach der Richtung, des kategorischen Imperativs auszugestalten, häufiger als bisher ein vernehmliches „D u soll st" ertönen zu lassen. Die Forderungen stellte ich in jener eingangs erwähnten Besprechung auf nnö| wiederhole sie heute in der breiten Oeffentlichkeit unseres Verbandes. . 1. Wir habey weit mehr als bislang auf die Erstarkung religiösen Empfindens unserer Jugend hinzuarbeiten. 2. Wir müssen für Hebung des sittlichen Verant- > g e s ü h l s in unseren Reihen Sorge tragen. ( die vornehme Pflicht, unserer Jugend zu Helsen, die aus ihrer zwiefachen Eigenart als Juden und Deutsche erwachsenden Ausgaben in edler Harmonie zu lösen. «örtlich keits 1 ' 3. Wir haben