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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-09-10 · 4 (10.9.1917) · p. Seite 103

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
4 (10.9.1917)
Date
1917-09-10
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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— 103 — TT unserer Sache nahmen schon vor dem Kriege mit schmerzlichem Bedauern wahr, daß manches wertvolle Glied unserer Gemeinschaft nach erlangter Reife zur Führerschafr absprang undj sich Parteivereinigungen anschloß und diesen seine kostbaren Kräfte lieh. Aber was in aller Welt mag's wohl sein, was manche Parteiverbande mit solch' blühenden Leben erfüllt, was aber bei uns bedingt, daß die Reiferen in unseren Reihen, ach, so oft, bestenfalls Mitläufer, aber nicht Mit-, schaffende sind? Fassen wir einmal diese Frage recht scharf ins Auge! Ihre Beantwortung wird uns die Wurzel der oben beklagten Mängel zeigen, aber auch die wunderreiche Kraftquelle, aus der wir unsere jüdische Jugend stärken können, um aus ihr nicht eine zusammengeballte Masse, sondern einen unwiderstehlichen Stoßtrupp zu schaffen. Viele meinen auch heute noch, es sei die Freude am Kampfe mit des Geistes Waffen, was viele junge Juden in den Strudel der Parteiverbände, zumal in den des Nationaljudentums, hineinzöge. Wohl empfindet mancher die Schönheit und Wahrheit des Tichterw^rteo: „Kampf hält die Strafte rege". Allein der unterschätzt Unsere jüdische Jugend, der meint, > daß die Lust zum Kämpfen, zum Ringen ihre schritte leite. Nein, es sind doch tiefere und edlere seelische Vorgänge, die hier treibend auf unsere Jungens und Mädels wirken. Sie glauben noch an das Reifen aller oder doch der meisten Blüten am Baume des Idealismus, sie wollen im Dienste seiner großen Idee stehen, wollen ihrer Phantasie Schwingen kühn sich regen lassen, wollen — sich berauschen. Reicht der Jugend den geistigen Trunk, der sie in solchen Rausch versetzt, und ihr habt sic; aber sehet ja zu., daß ihr des edlen Trunkes genügend auf Vorrat habt. In diesem teils bewußt durchgeführten, teils instinktiv angewandten Verfahren liegt die Erklärung für die Wirkung geraderer nationaljüdischen oder orthodoxen Verbände auf die Sinne der. heutigen Jugend. Aber — so höre ich verwundert einwenden — sind wir denn solcher zugkräftigen Ideale bar? Haben' wir nicht geradezu die Pflege der Ideale aus unser Panier geschrieben? Liegt nicht in dem Wunsklie,.' alle jungen jüdischen Kräfte unterschiedslos zusammenzusassen zur Brüderlichkeit, zu einigem Streben nach des Judentums Ruhm, genügend Anlaß zu hinreißender Begeisterung? Gewiß, so dachte ich auch, habe für meine Person nach teils läjähriger Arbeit in und am Verbände in diesem Gedanken auch heute noch 1 überreichlich Anreiz zu weiterer froher Betätigung für die Ziele unserer Jugendbewegung; ja, ich weiß auch, daß für einen gar nicht kleinen Teil unserer Mitglieder unser jetziges Programm hinreichende Bindekraft auch für die Zeit der Reife besitzt. Aber ich habe mich andererseits

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