Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — jetzt noch halten viele in unseren Reihen die Zusammenfassung der verschiedensten Richtungen angesichts der Parteiungen innerhalb der deutschen Judenheit als genügendes Programm für eine Bewegung von der zahlenmäßigen Größe unseres Jugendverbandes. Unter lebhaftem Anklange bekannte sich unlängst unser Vorsitzender auf der Düsseldorfer Bezirks-Verbandstagung als begeisterter Anhänger des Gedankens von der hohen'Bedeutung unseres Verbandes als einigender Körperschaft innerhalb der jüdischen Jugend Deutschlands. Freilich hat er dabei den kühnen, ehrgeizigen Plan, nicht nur der reiferen Jugend, sondern auch weitesten Kreisen jenseits der Jugendjahre eine Plattform bei uns zu schaffen, auf der sie sich zu gemeinsamer Arbeit an txr Zukunft unseres Judentums, in gleicher und ausgleichender Freude an der Jugend finden sollen. Es möge heute aus dem Bereiche unserer Erörterungen bleiben, ob solch kühne Zukunststräunie Aussicht auf Verwirklichung in sich schließen, ob unserem Jugendverbande gelingen könnte, was selbst ein „Verband der deutsche^ Juden" nicht erreicht. Aber selbst wenn ihm dies große Werk, der Versöhnung und Einigung feindlicher Brüder gelingt, so baben wir unsere Pflichten der Jugend gegenüber schlecht erfüllt. Uns liegt es ob, dem Jugendverband, möge er nun die Gesamtheit der jungen Juden Deutschlands oder nur große Teile von ihr umfassen, einen möglichst reichen, beglückenden Inhalt zu geben. Wohl war dies von vornherein schon das Streben unserer Verbands¬ und'Vereinsführer, und alle Bemühungen, die uns angeschlossene Jugend weiterzubilden, zu aufrechten Juden zu erziehen, ihre Kräfte zu stählen, ihren geselligen Neigungen zu genügen, hptten dies Ziel im Auge. Wenn wir dennoch unsere Blicke anderen Wegen zuwandteii, die unserem Programm neue Aufgaben verschaffen sollten, so war dafür ein Etwas bestimmend, das gerade den Getreuesten der Getreuen unseres Verbandes oft Kummer bereitet hatte. Wir vermißten bei den ltnl unser Panier Gescharten nur zu oft die himmclsiürmende Begeisterung, die in so mapcher anderen Gemeinschaft dcnedelsten Schmuck der jugenüfrohen Mitglieder bildet. Dieses Fehlen des zündenden Funkens war sicherlich mit Schuld daran, daß eine gar nicht kleine Zahl unserer Verbandsvereine schon bald nach Einsetzen dieses gewaltigen Völkerringens ihre Tätigkeit einstellte. Man »lag zur Erklärung oder Entschuldigung äußere Hemmnisse namhaft machen, allein mich dünkt: ein Werk, dem unsere ganze Liebe gehört, das unsere Seele in frohe Schwingungen versetzt, müßte allenthalben fortgeführt werden, selbst wenn nur kleinste Reste der ehemals stattlichen Vereine zurückblieben. Schärfer blickende Freunde