Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-09-10 · 4 (10.9.1917) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
4 (10.9.1917)
Date
1917-09-10
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4926451-6352295-6352416--1309-4927408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 100 — Hasten nicht noch mehr als die alte Generation der jüdischen Festtage als Rnhepunkte der Seele? Es ist unmöglich — sagt Ihr? Ein bequemes Wort, ein Wort voller Schwäche. Nur da, wo die Naturgesetze im Wege stehen, hat das Wort innere Berechtigung. Ein starker Wille kann vieles überwinden. Hat man erkannt, daß die jüdischen Feste für die Erhaltung des Judentums notwendig sind, dann muß man sie feiern. Jude sein, heißt s e i n e n I d e a l c n Opfer bringcp — Opfer der Tat. Wir haben in diesem Kriege gesehen, daß noch ganz andere Dinge als die Feier von 10 bis 12 Tagen im Jahre möglich sind. Aber auch im Frieden pflegen die meisten von uns vier bis fünf Wochen am Strande oder im Gebirge vom Geschäftsleben und Treiben auszuruhen, um die Nerven zu > stärken und Erholung zu suchen. Wäre cs da nicht richtiger, im Sommer 10 Tage weniger zu feiern und diese 10 Tage für die jüdischen Feste zu ersparen? Diese Tage würden uns körperlich und seelisch mehr geben, weil wir da mit der Familie^ mit der idealen Gemeinschaft zusammen feiern und eine freiere, stärkere Kraft ans ihnen schöpfen. Es sind soviel Experimente gemacht worden, um das Judentum zu erleichtern — machen wir nun das Experiment, um cs zu vertiefen. Das Judentum ist die Religion der Opfer, und je schwerer der Weg, desto leuchtender das Ziel. In früheren Zeiten gaben unsere Feste der Jugend, der knospenden, heranreist ndcn und reifen, ungemein viel. Auch unsere heutige Jugend bcfiarf ihrer, weil darin soviel Schönheit und Poesie ruht. Feiert sie mit euer» Kindern, ihr erweist ihnen damit den besten Dienst. Nicht auf die Form kommt es an, sondernauf den G e i st und den Willen. Das Judentum hat sich im Laufe l^er Geschichte mit vielen. Formen vermählt und die jüdischen Feste hab^n im Wandel der Zeiten häufig andere Gestalten angenommen. Sie lassen sich wohl mit modernen Formen vereinigen, nur dürfen es keine hohlen Formen sein. Behalten wir das Ziel im Auge, und wir werden uns den Weg dahin bahnen. Die Jugend ist unsere Zukunft — das haben wir schon zu oft gehört. Nein, sie soll unsere Gegenwart sein und wir wollen mit ihr den Weg des Lebens wandeln, um einer großen Zukunft entgegenzugehen. P. A l m o n i.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.