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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-09-10 · 4 (10.9.1917) · p. Seite 99

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
4 (10.9.1917)
Date
1917-09-10
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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— 99 — |! lief). Äas Göttliche wird uns in irdischer, sesngeschmückter Schale kredenzt Das kann nur eine hohe Psychologie, eine wahre Lebenskunst schaffen. Das Judentum kannte das Geheimnis der menschlichen Natur; es wußte, daß das Schlichte das Gewaltigste und Schönste ist und daß die göttliche Stimme durch die Natur am mächtigsten zu uns spricht. Wer geschichtlich denkt und jüdisch empfindet, der weiß, daß das jüdische Familienleben mit feinen eigenartigen keuschen Reizen die Stärke Israels im Laufe der Geschichte war. Ihm allein verdanken .wir die Erhaltung der Judenheit in seiner Reinheit und Gesundheit, spotz aller Wandlungen und Schicksale der Zeiten. Ein jüdisches Familienleben ohne jüdische Feste ist aber undc'nkbar. In den Festen entfaltet sich die jüdische Poesie und alle < igenartige Schönheit am mächtigsten. Ja, nur in den Sabbaten und Festen gehörten die Eltern den Kindern und die Kinder den Litern ganz, nur da strömte der ganze Reichtum des jüdischen Seelen, lebens natürlich und ungehemmt. Und daher muß es unsere Aufgabe sein, diese Feste uns und unserer Jugend zu erhalten. Das jüdische Familienleben war der Boden, auf dem alles Schöne und Große gedeihen kortnte. Von hier ging alle Kraft und Stärke aus. Dieser Fels bröckelt heute mit jedem Tage immer mehr ab, und damit geht viel von seiner Schönheit und Heiligkeit verloren. Der Strom des Lebens droht die jüdische Familie Zu verschlingen, und das wäre der Anfang vom Ende. Streben wir nun danach, in den jüdischen Festen einen Wellenbrecher zu schaffen und das Familienleben zu retten. Wie die Verhältnisse heute liegen, kann das jüdische Familienleben nur noch an den Festtagen sich entwickeln. Das moderne soziale Leben mit all seinen Begleiterscheinungen bildet für die Feier der Feste im Sinne unserer Väter ein großes Hindernis. Das wird niemand bestreiten wollen. Und doch "wäre auch dieses Hindernis zu überwinden, wenn der Wille zum Judentum stärker in uns> wäre. War das Leben unserer Väter im vorigen Jahrhundert nicht härter und mußten sie nicht schwerer ums Dasein kämpfen als wir? Aber das Jüdische in ihnen war stärker, die Opferfreudigkeit größer als in uns. Das^keligiöse stand mehr im Mittelpunkt des Strebens, und man war schlichter, harmonischer. Können wir heute, in der Zeit gewaltiger Stürme, diese innere Stütze entbehren? Bedürfen wir Mohernen bei unserem

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