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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-07-01 · 3 (1.7.1917) · p. Seite 88

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
3 (1.7.1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 88 (sequence 24)
Language
German
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— 88 — fortführen zu können mußten uns von anderer Seite reiche Mittel zuflreßen. Wir wandte«! uns mit Erfolg an die jüdische Oeffentlichkeit und suchten die Mittel durh Wohltätigkeitsveranstaltungen aufzubringen. Zahlreiche Feldpostbriefe litfen bei uns ein, die beantwortet werden mußten. Die Bewältigung dieser umfangreichen Feldpost wurde ebenfalls durch unsere Mädchengruppe übernommen. Es gelang uns auf diese Weise während der 34 Kriegsmonate den Verkehr, der unbedingt aufrecht erhalten werden muß. mit unseren Mitgliedern im Felde aufrechtzuerhalten. Weit schwieriger als der Verkehr mit unseren Feldgrauen war die Arbeit in der Heimat.' Die Veranstaltung großer öffentlicher Abende und Disckussionsabcnde wurde Eingestellt. Wohl veranstalteten wir während der Wintermonate in zwangloser Reihenfolge F re.i t a g - A b e n d e, an denen ein Geistlicher über den Wochenabschnitt der Thora sprach. Zu regelmäßigen Veranstaltungen konnten wir uns für den Hauptverein jedr>ch nicht entschließen. Um so reger ging es in den Gruppen zu. Allen voran die j Mädchengruppe. in deren Händen die Verwaltung der Feldpoststelle lag. Unsere Mädels kümmerten sich aber nicht nur um das Wohl ihrer feldgrauen Bundesbrüder, sondern nahmen sich auch der jüdischen Soldaten der Garnison X. <jn.- Im Einverständnis mit der jüdischen Gemeinde und mit Genehmigung des Generalkommandos wurden sämtliche jüdische Soldaten der Garnison besucht und regelmäßig zu unseren Veranstaltungen einge äden. Die Militärbehörde gab uns auf unser Ansuchen bereitwilligst die Anschriften der in den Lazaretten untergebrachten jüdischen Soldaten auf. Auch ihcken stattete unsere Mädchengruppe Besuche ab und versuchte ihnen nach Möglichkeit zu helfen. Eine Reihe unserer Mädels stellte sich außerdem dem Bahnhofsdienst zur Verfügung oder waren in den Lazaretten tätig. .Um den Betrieb innerhalb der Mädchcngruppe ausrechtzuerchalten, wurden von Zeit zu Zeit Heimabende, oft gemeinsam mit der Jungmannschast, veranstaltet. An den Heimabenden wurde gestrickt. Liebesgabenpakcte gehackt, Feldpostbriefe qerlesen oder rezitiert. Auch eine Reihe von Vorträgen wurde an ihnen gehalten. In der ersten Zeit fehlte es natürlich an Rednern. Wir halfen uns aber dadurch, daß wir aus einem Buche etwas vorlasen und alsdann über das Gelesene sprachen. So wurden zum Beispiel folgende' Themen behandelt: <D.«e m o d e r n e ü d i n (an Hand der Bücher von Else Croner und Nabida Lazarus>. j Das jüdische Mädchen (Aüft'ähe im .Juden").f Wie h a l sich liie Frau auf den.Krieg eingestellt? (An Hand der Bücher von Gertrud Bäuiner.) Tie w e i b l i ch T i e n st p f l i ch t. Aehnlich wie in d^r Mädchengruppe arbeitete die I u n g m a n n s ch a f t. Bei Kriegsausbruch hgttcn wir unsere jüngeren Mitglieder in der Jungmannschaft zusammcntzeschlosscn und planten, die Arbeiten so systematisch wie möglich fortzusetzen, um die Jungmanncn auch während des Krieges mit dem nötigsten Wissen über das Judentum auszustatten. Wir führten unfere Absichten durch und veranstalteten auch für die Jungmannschast regelmäßige Heimabendc. Oft fanden auch Vorträge mit den anderen Gruppen gemeinsam statt. Fehlten uns Redner, so halfen wir uns auch hier m^t dem Borlesen, besonders guter Zeitungsartikel oder Aufsätze aus jüdischen

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