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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-07-01 · 3 (1.7.1917) · p. Seite 85

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
3 (1.7.1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 85 (sequence 21)
Language
German
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— 85 — reichung des festen Ankergrundes. Ich schilderte den bedeutsamen Weg von ihren sozialen Anfängen bis zur Erkenntnis ihrer sozialpädagogischen Aufgaben, ihre Entwicklung vom Wohlfahrtsverband zum ErziÄ>unjgsverein. Ich wies dabei nachdrücklich auf den wesentlich verschiedenen Aufbau unserer Jugend und der der anderen Bekenntnisse hin, hnd daß wir bei dem Fehlen eines eigentlichen jüdischen Proletariats in Deutschland dieses wichtige Arbeitsgebiet der anderskonfessionellerj Vereine völlig außer Acht lassen pursten. Ich betonte die besondere Stellung des Verbandes zu unserem Bekenntnis, das für ihn nicht wie für die katholischen und protestantischen Jugendvereinigungen als kirchliche Einrichtung, sonderh als persönlichkeitsbildende Macht zu begreifen ist. Ter Verband erfannte es als eine seiner Aufgaben, in der ihm angeschloffenen Ingens das versittlichende Bewußtsein zu vertiefen, daß sie zur Erbin einet großen Ver-. gangenheit, zur Träzerin einer ernsten Gegenwart, zur prbeitsfrohen Bürgin einer besserer Zukunft berufen ist. An die geschichtliche und theoretische Betrachtung der Eigenart unserer Arbeit fdjlol ich eine Darstellung der Verfassupg des-Verbandes. Ich wies schließlich auf die besonderen Erscheinungen der jüdischen Jugendarb;it hin, als deren ausfallendste ich die wertvolle Mitarbeit der junger Akademiker und die Geschlechtcrgemeinschaft hervorhob d. h. die Tatsache, daß in unseren Vereinen die' männlichen und weiblichen Mitglieder als gleichvcrpslichtete und gleichberechtigte gemeinsam tätig sind. Ter Verband darf für sich das geschichtliche Verdienst in Anspruch nehmen, die jüdische weibliche Jugend organi-" siert, sie zu ernster Mittätigkeit heranerzogen und zugleich die. Möglichkeit einer gemeinsamen Jugendarbeit in seinen Vereinen erwiesen zu haben. Ich konnte es mir nicht versagen, meine Darlegungen mit einigen herzlichen Worten der Bitte an die anwesenden Führer und Führerinnen der deutschen Jugcndbestrebungcn zu schließen, in ihren Verbänden für religiöse Duldsamkeit kraftvoll einzntreten. „Ter Krieg hat die verrosteten Tore ailfgerissen, die den Ausblick und den Einblick vom einen in das andere Bekenntnis versperrt haben. Deutschlands- Juden wohnen und wurzeln 1600 Jahre in deutschen Landen. Ader ne werden noch immer wie unberechtigte Eindringlinge behandelt, nicht weil sie schlechter sind, sondern weil der geschäftige Haß das'Bilh der Juden verzeichnet und verzerrt. Jetzt aber haben sich Christen und Juden draußen vor dem Feinde kennen gelernt, nicht . wie das Vorurteil sie zeichnet, sondern wie sie sind. Monatelang sind Christen und Juden in gleichen« Swritt und Tritt gegen denselben Feind marschiert. Jüdisches Herzblut hat sich mit, christlichem gemischt. Jüdische Schwestern, Aerzte und Geistliche haben' ihr stilles heiliges Werk an Christen und Juden geübt. Ter Krieg, der große Entzweier, kann hier der große Versöhner werden. Vor allem aber bei Ihnen, ' den berufenen Pflegern und Hütern der deutschen Jugend, steht es, daß der Geist dieser Versöhnlichkeit seine SegcnskEt wirkt. Bei Ihnen liegt die Entscheidung, ob der Geist der verstehenden Liebe oder des verblendeten Hasses fortan in der deutschen Jugend leben soll. Möge aus pe«^ Kriege unser aller Sehnsucht: das neue herrlichere Deutschland er-

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