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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-07-01 · 3 (1.7.1917) · p. Seite 84

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
3 (1.7.1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 84 (sequence 20)
Language
German
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— 84 — Die Cifenadjer Tagung k ber 3entrale für Dolksipoljlfatjrt. Eisenach gehört seit meiner ersten Wanderung durch das blühende thüringer Land zu meinen Lieblingsstädten. Die Wartburg mit ihrer wunderherrlichen Umrahmung erscheint mir stets wie das Kronjuwel deutscher Landschaft. Der Ort, wo jetzt gerade vor einhundert Jahren aufrechte Menschen, die an Deutschland glaubten, den Zopf und den Korporalstock verbrannten, gilt mir von jeher als eine Hochburg deutscher Art. Unbjnun sollte die alte, mir so liebe Stadt für eine ernste Arbeitswoche eine Auslese der Männer und Frauen beherbergen, welche in der Fürsorge für das leibliche und geistige Wohl der deutschen Jugend ihres Lebens höchsten Inhalt erkannt. Eine solche Tagung in den Borfrühlingstagen in Eisenachs Mauern erschien mir wie eine Verheißung und eine Erfüllung zugleich. Dem telephonischen Befehl des Berliner Hauptquartiers — diesmal unserer Verbandsleitung — als Vertreter des Verbandes nach 'Eisenach zu pilgern, mußte selbswerständlich entsprochen werden. Leider konnte ich — ich habe ja noch ein Nebenamt — nur einen einzigen Tag für die Eisenacher Tagung erübrigen und am Donnerstag, den 26. April, erschien ich im Kreise der Männer und Frauen, die bereits seit dem Sonntag dort berieten und ihre Beratung bis zum nächsten Sonntag fortsetzen wollten. Es waren, die besten Männer und Frauen hier versammelt, deren Namen immer dann genannt werden, wenn ss sich um die Arbeit an und in unserer Jugend handelt — eine Herzensfreude allein, sie alle von Angesicht zu Angesicht zu sehen, di! sich in den heiligen Dienst der Zukunft unseres Volkes gestellt halsen. Tie Berichte,.die ich hörte, fesselten aber nicht nur durch die Sprecher. Es waren von so edlem Ernste getragene warmblütige Schilderungen des Ringens für bas Beste im deutschen Volke, daß mir der schlichte ^itzungsraum oft wie ein Gotteshaus erschien, in dem diese Reden wie Offenbarungen geläuterter Menschenliebe klangen. Selbstverständlich war aus diesen Berichten unsagbar viel für unsere jüdische Jugendarbeit zu entnehmen. Erfreulicherweise werden sie veröffentlicht, so^daß die Anregungen der Tagung Gemeingut eines größeren Kreises werden. Ich kann nicht verhehlen, daß. ich, der ich wohl stets ein treuer Mitarbeiter, aber niemals ein Führer unserer Bewegung gewesen, mit einer gewissen Bangigkeit dem Augenblicke entgegen sah, in dem ich. vor dieser erlauchten Zuhörerschaft über die Arbeit des Verbandes berichten sollte. Je tiefer ich aber die herzliche Aufmerksamkeit meines Hörerkreises empfand — und wir Redner haben ein starkes Feingefühl für^dieses Mitempfinden der Hörenden —, mit um so freierer Genugtuung sprach ich von dem, was wir gewollt und was wir geleistet, was widerstrebt und was wir erreicht.! .Bei der Darstellung der Geschichte und der Voraussetzungen unsrer Bewegung — sie ist jetzt gerade ein Vierteljahrhundert alt — verschwieg ich nicht ihre Irrwege und Schwankungen bis zur Er-

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