Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 83 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 83 — Wendungen durchaus gefühlsmäßiger Natur, die der Kritik und .den von ruhiger Erwägur g getragenen Gegenargumenten nicht standhalten. Ta heißt es -zunächst/ man müsse Achtung haben vor der Ilnvoreinge? nommenheit gegen religiöse Vorurteile, welche die Eheschließenden eben durch die Eingebung der Mischehe bekunden, ja unter Umständen erklingt sogar das hihe Lied von der alles siegreich überwindenden- Liebe, welche ahch dir religiösen Schranken, der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnis es nicht achtet, das hohe Lied von dem b» freienden „Menschentum, das vorgibt, vom Judentum ju entbinden", auch das wird zuweilen geltend gemacht, daß durch die, Mischehe und ihre Anerkennusig dii so wünsckienswerte Angleichung der Juden an ihre Umgebung geförwrt werde, daß durch den Eintritt der Juden in christliche fjötmitic t diese letzteren erst die Juden kennen lernen - und daß eben hjerdurh erst so manches Vorurteil gegen uns beseitigt, aufgeklärt und jgar widerlegt würde. Aber man tut doch gut, sich weder in dem einen noch dem anderen Falle durch solche Argunzente irre machen zu lassen. Auch wer sittlich auf einer so hohen Stufe steht,-- daß er die Allgewalt drr Liebe für sein Verhalten glaubt geltend machen zu dürfen, kaust die Verpflichtung gegen die Gesamtheit, 1 in welche er hineingeboreit ist und die ihn auf ihren Schultern trägt, nickst-bestreiten und nichst aus der Welt schaffen. SeineVerpflichtnng i st älter un d stärker als Las Ne ch t, das 'er selbst auf s i ck b a t. „Kern Adc l des Geistes und der Arbeit cntbinvet von der Vilichs, das unsichtbar e Banner des Judentums weiterzugeben von Gknrration zu (Generation." Und in dem anderen Falle muß tz-sagt werden, daß wi>r Juden auch sonst Gelegenheit genug haben, ^dem Andersgläubigen! zu ziigen und ihn zu lehren, wer wir sind und! wie wir sind. Tas aber if: sicher, und die Zeit, in der wir leben, hat es zur Genüge erwiesen, daß der aufrechte und rechtlich denkende Christ vor dem aufrechten, vor Selbstachtung erfüllten Inden schon die rechte Achtung hat. Tülduni und Toleranz in allen Ehren — es hieße unsere ganze Geschichte verleugnen, wollten wir auch nur ein Wort gegen sie aussprechen —, a Nr Toleranz und Tuldung sind nickst gleichbedeutend mit Selbst» wlcngnung und Verzicht auf u;rsere eigene Zu^ kunst und unsere eigci e geschichtliche Aufgabe in den künftigen Zeiten . der Menschheit. - Fassen wir die verstehenden Ausführungen zusammen, so müssen trir 'agen, der Kamp gegen die Mischehe ist eine Aufgabe der Erziehung unserer Inge ad. Sie igilt es zu erfüllen mit dem Glauben an die Zukunft des I identums, welcher ein jeder Jude,und eine jede Jüdin zu dienen hat. Diesem großen Gesichtspunkte hat ein jeder von uns sein ganzes, auch sein allerpersönlichstcs Leben unterznordnen. Es gilt die fügend zu erfüllen mit dem Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit geg m die Gesamtheit der Judenheit und deren Zukunft. Aus dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit fließt aber die. Erkenntnis einer heili zen Pflicht, vor welcher auch das höchste persönliche Recht seine Grenze findet.