Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 80 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 80-— dem die tierische Gewalt ganz allein entscheidet, und in dem sevbst die höchsten Errungenschaften des menschlichen Geistes ganz in den Dienst dieser Gewalt gestellt werden, ist für die Forderungen der Moral nicht viel Raum. Daher verlegten sie die ideale VöÜermoral in die ferne Zukunft und das ethische Turchdringen der auswärtigen Politik erwarteten sie von der Zeit, in welcher „kein Volk gegen das andere dqs Schwert erheben und kein Krieg mehr geübt werden wird". (Jes. 2, 4; Micha 4, 3.) _ 1 Zum Kampf gegen die Mischehen. Von Dr. 52. M. Nathan-Hamburg. Ein Thema/ das in den letzten Jahren fortwährend in den Spalten der jüdischen Zeitschriften erörtert wird und aus ihnen anscheinend nicht mehr verschwinden will, sind die Zunahme der Mischehen unter den deutschen Juden und die Gefahren, die dem deutschen Judentum aus dieser Tatsache erwachsen. Mehr oder minder gemeinsam ist all den Aufsätzen, die zu dieser Frage das Wort ergreifen, das Bestreben, die Gründe für diese Erscheinung im Leben der deutschen Judenheit anfzudccken, welche man in dem Aufbau des modernen Wirtschaftslebens und der Anteilnahme der deutschen Juden an dem geschäftlichen und öffentlichen Leben ihrer christlichen Umgebung, in ihrer An- 1 glcichung an sie und ähnlichen Tatsachen zu finden, glaubt. Geradezu meisterlich ist fast alles, was zu diesem Thema gehört, dargelegt in dem vortrefflichen Aufsatz des Düsseldorfer Rabbiners vr. Max E s ch e I b a ch e r , den dieser in dem März-Aprilheft des laufenden Jahrgangs der Zeitschrift „Ost und West" veröffentlicht hat. Indessen kranken alle Erörterungen über die Frage der Mischehe unter den Juden überhaupt an dem einen Grundfehler, dah man bei den Untersuchungen über die Gründe ihres Vorkommens nicht bis zur lebten Ursache fortschreitet, nicht diese letzte Ursache zu erkennen sucht und,' so man sie gefunden hat, von Grund aus den Hebel zur Besserung der Verhältnisse anzusetzen beginnt. Tie Teilnahme der Juden an dem modernen Wirtschaftsleben ist eine Tatsache, die bleiben wird, gleichviel welche Entwicklung das Wirtschaftsleben im einzelnen nehmen wird. Tie Teilnahme der Juden an dem öffentlichen Leben der Länder, in welchen sie wohnen, wird auch nach dem Kriege nicht aufhören, gleichviel ob der hier und da drohende Antisemitismus sich wirklich wieder zum Kampfe erheben wird oder nicht. Im Gegenteil, gerade dort, wo den Juden ihre 'Gegner ihre Rechte wieder werden streitig zu machen suchen, werden diese eben um ihrer bedrohten Rechte willen sich bestreben müssen, im Kampfe siegreich zu behaupten, was sie auf dem Gebiete der Gleichberechtigung bereits in Friedens, und Kriegszcitcn erlangt haben, und werden erstreben niüssen, was ihnen etwa noch an staatsbürgerlichen Rechten und staatsbürgerlicher Gleichstellung versagt ist. Und endlich, die Angleichung an das Leben, die Sitten und Gebräuche ihrer Umgebung, die Erziehung und Bildung der Jugend im Geiste des Volkes, in