Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 79 (sequence 15)
- Language
- German
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I — 79 — Israels Propheten die weitgehendsten Forderungen aufzustellcn, sie tonnten die Nächstenliebe auch für den Auslästder perlangen, konnten. „einerlei Gesetz für den Fremdling, wie für! bcn Einheimischen im Lande" vorschreiben; jedoch in der Moral der auswärtigen Politik;»„f5tcii sie ihren, ethischen Schwünge enge Grenzen ziehen, „Tu 'allst nicht, rachgierig und zornbewahrend sein." (3. M. 19.) Diese üncr der höchsten Tugenden der Privatmoral ist dagegen eine der Wwersten Unterlassungssünden in der Völkermoral. Repressalien geoören zu den höchsten moralischen Forderungen, zumal im Kriege. So mutz die politische Moral eines jeden Volkes die der andern Völker sich ' -.lim Matzstab nehmen. Inhalten biblischen Kriegsbestiminungen er- ■ kennen wir das prophetische Bestreben, über die Moral der andern Völker hinauszugehen. Allein dieses Uebersteigen der Grenze konnte nur sehr langsamen und gemessenen Schrittes sein. Sie durften die >! riegsmoral ihrer Zeit nicht ganz hinter sich lassen, konnten hier nicht ' eigene neue Wege gehen, nste sic dies in der privaten Moral und der Religion ihres Volkes taten. Sie hätten sonst Gegenwart und Zutunst ihres Volkes aufs Spiel gesetzt. Dieser Weltkrieg hat uns darin eine gründliche Lektion erteilt. Er hat uns eindringlich genug ge-;eigt, wie weit man mit ethischen Ideologien in der auswärtigen Polink kommen könnte, in einer Zeit, in ider der rücksichtslose Egoismus die Parole aller Völkermoral bildet. So wenig wie für das Einzel-' individuum, lwenn. cs imter Räubern fweilt, ebensowenig darf es für . -un einzelnes Volk!in der Kriegspolitik eine andere Richtschnur als die J. iVr rohen Genickt und der unerbittlichen physischen Kraft geben. Solange nicht itc mächtigsten Ratiosten in ihrer Gesamtheit sich / enivorrasfen unk das Gebot der Nächstenliebe auch aus die Völkeruioral ausdchncn!, solange nicht das feste Band gegenseitigen'Wohlwollens sie alle umschließt, mutz für das einzelne Volk, a»ch wenn eS von Propheten geleitet wird, die Macht vor dem Rechte gchen »yd die Lehre: „iutvr niina silent lefres" mutz auch seine R« ligionslchre, 'ein. Tic Erfüllung seiner höheren ethischen Bestrebungen in der Völkcrpolitik darf es nur von der fernen Zukunft erwart:», wie auch die Propheten die Zeit, in der die Waffen in knlturförder ich Jnstru-" mente verwandelt werden, in das,„Eyde der Tage" verlegt haben. Vis dahin hat dgs: Wie du mir, .so sich dir! die alleinige Geltung./ -"'i'iedr. Telitsch, her in seinem sensationellen Babel- und Bibel-Vor- :>!ag manche biblische Rachcäutzcrungpn als einen Schindslcck dyr christlichen Bibel Gezeichnete, hat nachher als guter Chris rückhaltlos witanden, daß er dieselben Rachewortef aus dem Munde 'es Stifters', einer Religion vernehmen zn müssen! glaubte. Tie etl ifche Ueber- :agenhcit der biblischen Kriegsgcsctzc über den der zeitgenössischen Völker, ist allgemein zugegeben: aber die vielen Härten der :i verwischen, kann selbst der scharfsinnigsten Apologetik w'n. Dieser Weltkrieg hat jedoch jene Härten vollauf gerechtfertigt. in erbittertste sanft- Propheten, Lr hat gezeigt, daß der Notschrei auch der Moralisten der wn Kämpfen verwickelten Völker sich weit rauher anhört, a s iuselnden Predigten weltentrückter Utopisten. Israels die den Boden der Wirklichkeit unter ihren Füßen nie verliren haben, waren wohl überzeugt, daß das Wort „Kricgsmosal" einen krassen Widerspruch in sich, berge. Innerhalb der Grenzen' eines Ar l!! elbey ganz nicht gelinrozepes, in