Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
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— 78 — sie den Moabiterkönig zu solcher Verzweiflungstat getrieben h^ben. Aber in allen den Berichten, in denen von schonungslosem Vorgehen isrgelitischerseits die Rede ist, handelt es sich um besiegte Gegner, mit denen sie kurz vorher das Schwert gekreuzt haben — unbewaffneten Gefangenen dagegen wurde kein Leid zugefügt, es fei denn, daß ihnen Tribute und Sklavendienste auserlegt wurden. Diese vereinzelten Grausamkeiten jedoch, welche israelitischcrseits gemeldet werden, erscheinen aber in ganz anderer Beleuchtung, wenn man den Maßstab morgenländischcr Kricgsroheiten an ihnen anlegt. Wer sich die unmenschlichen Mißhandlungen von Feinden auf den assyrischen Deut malern. ansieht, deni erscheinen die Harten erbitterter israelitischer Krieger doch noch in einem milderen Lichte. Alle Habe des besiegten Feindes wurde als Beute verteilt. Hervorgchoben wird, daß die Etappcnsoldaten den gleichen Anteil wie die Kämpfer erhielten. Sold wurde nur den Mietstruppen, nicht aber den einheimischen Kriegsteilnehmern geboten; in Friedenszeiteu wurde das stehende Heer wie die Leibgarde besoldet. Letztere rekrutierte sich hauptsächlich aus ausländischen Mietstruppen. Die unter den; Rainen „Krethi und Plcthi" bekannte Leibwache Davids waren keine anderen als „Kretenier und Pbilistäcr". Tie rinzerstörbare Treue solcher Söldner können wir bei Uria sowie besonders bei der Schar des Ittbai aus Katb, die David-selbst in dem Momente, da er Krone und Szepter verlor-rn zu haben schien, nicht verließen, reichlich bewundern. In der Periode der Reichsspaltung finden wir Heere des israelitischen Rordr^iches als Mietstruppen-im Heere Judas. Für hervorragende Tapferkeit im Felde wurden Auszeichnungen -und Ehrengaben verliehen. Vor großen kühnen Unternehmungen wurden Preise im vorausausgeietzt. Diese bestanden sowohl in inilitärsschcu Beförderungen, in Verleihungen von Privilegien, in Geschenken von Ländereien und Geld, zuweilen aber auch im Anbietcn der Hand der Tochter des Fürsten oder eines großen Führers. Letzteres setzen wir im Koliatbkampfe wie bei der Eroberung Hebrons. Daß die heimkchrenden Krieger mit Musik und Gesang, besonders von den Frauen und Mädchen empfangen wurden, wissen wir auch schon ausder Geschickte Davids wie Iephtas. Das erste israelitische Kriegsdenkmal war der bekannte von Samuel errichtete ^Ebenhaäser-Stein". ein ferneres Siegesdenkmal läßt Saul entstehen. Schlutzbetrachtungen. Völkermoral und Privatmoral-! Wer diese beiden nicht streng auseinander hält, wird sich in der ethischen Entwicklung der Menschheit nicht gut zurechtfinden. Das Entfaltungsgebiet der privaten, sozialen Moral ist das Innere des Volkes, das der Völkermoral dagegen, die Peripherie desselben, nämlich seine Beziehungen zu den andern Völkern. Daher kann jedes noch so kleine und schwache Völkchen, unbekümmert um den Kulturstand seiner Nachbarvölker, sein moralisches System beliebig ausbauen. In der politischen Moral dagegen heißt es: Es kann der Frommste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Rackbär nickt gefälst. In der inneren, sozialen Moral vermochten