Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 77 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4926451-6352295-6352415--1285-4927385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wasser oder Oel usw. Es gab meist auch besondere festungsverteidigende Schleuderer, die sich bestimmter Wurfmaschinen bedienten. Bevor man sich zu einer Fcstungsbelagerung entschloß, suchte man, soweit dies erreichbar war, durch Kundschafter und Spione ihre Lage und Beschaffenheit festzustellen. Jedem Kriegsbeginn ging eine Friedens Unterhandlung voran. •— Bereits in ier Kriegsführung der ältesten Zeit, unter Josug . wie in der Richterperiode, haben wir Gelegenheit, die strategischen Bemühungen, den Feind irre zu führen, zu bewundern. Ein großer Teil des belagernden Heeres zieht sich im Dunkel der Nacht oder auf den Ausschauern unbemerkten großen Umwegen in einen Hinterhalt zurück. Der Rest des belagernden Heeres bietet den belagerten Truppen eine Schlacht an, weicht langsam zurück und lockt so die belagerten Truppen aus der Stadt heraus, indem er sich vpn ihnen eine Strecke Weges verfolgen läßt. Tann bricht plötzlich der ver- , borgene Heeresteil aus feinem Versteck hervor, erobert die menschenleer gewordene Stadt und läßt als Signal eine hohe Rauchwolkp aufsteigen. Kaum bemerken die in der Ferne kämpfenden Truppest das Zeichen, so wenden sie sich um und treiben den Feind in die Stadt zurück, woselbst er vpn den Hinterhaltstruppen überrascht wird. Von , beiden Seiten ^»geschlossen, ist er dann rettungslos verloren und muß sich untergeben. I __ Erwähnenswert ist auch die von Gideon angewandte Kriegslist, durch die es ihm gelang, mit einer ganz geringen Schar tapferer Krieger gewaltig? feindliche Heeresmasscn zu überrumpeln und in die Flucht zu schlagen. Mit einigen hundert Kühnen, die sein ganzes Heer darstelltcn, umringte er nachts d>as feindliche Lager von drei Seiten, gab jedcm.seiner Mannschaften Trompete, Fackel und ebenso auch Krüge, die als Trommel dienten, nnd bewirkte so die! schleunige Flucht des Feindes, der, auS dem Schlafe aufgescheucht, sich von einem numerisch überlegenen israelitischen Heere cistgeschlossen wähnte und ein fluchtartiges Entkommen ihm noch als die einzige Rettung erschien. Ueber die Behandlung der Gefangenen liegen uns in der Bibel 1 "mehrere Zeugnisse vor. Im 1. Kön. 20, 31 hören wir die Diener des geschlagenen heidnischen Königs zu ihm sprechen: „Siehe, wir haben, gehört, daß die Könige des Hauses Israel barmherzige Könige sind." In 2. Kön. 6, 20 lesen wir, daß der israelitische König den Propheten fragt, ob er die in seine Residenzstadt gelangten Feinde erschlagen!dürfe, worauf der Prophet ihm erwidert: ^,Dn sollst sie nicht schlagen. Schlägst du denn die, welche du mit deinen! Schwert und Bogen gefangen hast. Setze ihnen Brot und Wasseö vor, daß sie essen und trinken, und laß sie zu ihrem Herrn ziehen/' Ter Prophet Amos, kündet vielen Völkern schwere Strafen an, lpcil sie die gefangenen Feinde mißhandelt haben. (Anios 1. 1—2, J3). Nichtsdestoweniger - sinh uns auch Härten bekannt, die jüdischersests gegen Feinde verübt wurden; aber an der Stelle, wo solches am deutlichsten gemeldet wird, erfahren wir auch, daß es gegen den QSeift d?r Propheten war. So z. B. schließt der Bericht in 2. Kön. 3, 24—wo von solchen Handlungen berichtet wird, mit den Worten: „Da kam ein großer Zorn' üb«r Israel", was! doch gemeint ist, daß Gott über Israel zürnte, weil