Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
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— 76 — Ein solcher Prozeß, der die Vernichtung der Schwachen und Kampfunfähigen sowie eine auslesende Erhaltung der Tapferen und Rührigen mit sich bringt, mußte für die kommende Generation, für ihre Fort- Pflanzung und Entwicklung von Segen sein, neueren Kämpfe im Nachteil. So begreift rstan es auch, wenn im alten Israel die höheren Offiziere „Gibbor m", was einfach „die Starken" bedeutet, genannt wurden. So fehen wir auch in den langen Listen, die Davids namhafteste Kriegsoberste aufzählen, hauptsächlich, ritterliche Helden aufgeführt, die. sich besonders im Einzelkampf ausgezeichnet haben. Das Kriegslager wird in der Regel „Rondel" genannt, was auf seine runde Gestaltung oder Umwallung schließen läßt. In der Umgebung des Lagers wurden Wächter und Patrouillen aufgestellt, um das lagernde Kriegsheer vor einem plötzlichen Ucberfall zu schützen. Hinsichtlich der Schlachtrcihen wurden nie israelitischen Heere seit den ältesten Zeiten in einem Zentrum und zwei Seitenflügeln ausgestellt, um so den Feind von verschiedene tt Seiten angreifen zu können. Außerdem gab es noch eine Nachhut, die das Heer im Rücken deckte. Für die fernere Orientierung über die israelitische Schlachtordnung ziehen die Archäologen die zeitgenössischen ägyptologischen Illustrationen heran; da kaum daran zu zweifeln ist, daß die israelitischen Heere, die den ägyptischen so oft gegenübergcstanden und nicht selten nüt ihnen gemeinsam kämpften, ihre Angriffskolonnen ähnlich gebildet haben werden. Tort sieht man gewöhnlich verschiedene Waffengattungen in einer Schlachtordnung von 8 Reihen, jede Reihe 8—10 Mann. Voran gehen in der Regel zwei Reihen schwerbewaffneter Lanzcnträgcr, ihnen folgt dann eine Reihe von Bogenschützen, und diesen dann die Schlcuderer. Die vorderen Reihen, nämlich die Lanzcnträger, ermöglichen den hinter ihnen stehenden Bogenschützen das Kämpfen dadurch, daß die erste Reihe kniete, die zweite sich etwas duckte. . ■ ' Tic Erstürmustg der Festungen erfolgte in der Weise, daß man zuerst um die Festung einen Ringwall errichtete, der die Belagerten einschloß, die Angreifer dagegen schützte. Von diesem Ringwall au& wurde dann in gerader Richtung auf die Stadtmauer ein Tamm angelegt, aus welchen man mit Stoßböckcn gegen die Mauer vorrücken konnte. Mit solche i Sturmbpckcn, die in der Bibel den Namen „Gegem'ckiläger" führen, suchte man die Mauer cinzustoßen. Diese Böcke waren lange, schwere mit eisernen Spitzen versehene Balken, mit dcncii man die Mauer anrannte. Kleine Stadtmauern suchte man mit Leitern zu ersteigen; zuweilen jedoch schien auch das nicht nötig, wenn cs nämlich gelang, die Tore zu sprengen. Die Aushungerungstaktik stand bei Belagerungen, auch im Altertum auf der Tagesordnung. In erster Linie suchte man die zur Stadt führenden Wasserleitungen abzustellcn. Ta nun so jede Stadt mit einer solchen Aushungerung int Bclagerungsfalle rechnete und sich entsprechend mit Lebensniittelvorräten versah, so wundern wir uns nicht, wenn solche Belagerungen ^ft mehrere Jahre anhielten. Tie verteidigenden Heere, die auf der Stadtmauer standen, schossen auf die Angreifer mit Pfeilen, warfen Steine auf sie herunter, begossen sie mit siedendem