Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
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— 73 — Israels, erscheint uns als tapferer Kriegsheld in dem Kampfe gegen die mesopotamischen Mächte, die er in der Gegend von Damaskus in die Flucht schlug. Nicht mit einem Beduinen-Streifzug haben wir es. hier zu tun sondern mit einem kühnen strategischen nächtlichen Ueberfall mit geteilten Haufen, bei dem er mit einer verhältnismäßig kleinen Schar das ungleich größere feindliche Heer überrumpelte, tes zur eiligen Flucht brachte, so daß es alle Beute zurückließ. Das Ver- -fahren jenes großen Nomaden, zu dem die ganze Kulturmenschheit' -seit Jahrtausenden in Verehrung aufblickt, mit den erbeuteten Schätzen illustriert uns einen heiligen Krieg, wie er in der ganzen Kriegsgeschichte einzig dasteht. Der König von Sodom, für den Abraham -in den Krieg zog, bietet ihm die gesamte Beute an; dieses jeiwch weist dieselbe ritterlich und hochherzig zurück, mit den Worten „Ich hebe meine Hände auf zu dem Herrn, dem höchsten Gotte, der Himmel und Erde geschaffen hat, daß ich von allem, was dein ist, wede^r einen Faden noch einen Schuhriemen nehmen werde; daß du nicht! sagest: Ich habe Abraham reich gemacht." (1. M. 14.) Bezeichnend für das altisraelitische Bewußtsein von dem göttlichen Eingreifest in. den Kampfs ist, daß sie bei der Zusammenstellung des Heeres weniger auf die Masse, als vielmehr auf die gottvertrauende Begeisterurg desselben sahen. Dies ging soweit, daß manche Führer den größten. Teil des Heeres wieder heimsandtey, sich mit einer kleinen Schar treuer, gottergebener Kämpfer begnügten und mit ihr den Sieg davontrugen. Gideons Mitkämpfer riefen: „Das Schwert für Gctt und Gideon," und der Heerführer Davids spricht zu seinem Bruder ilbisai: „Laß uns stark sein für unser Volk und für die Städte unseres Gottes; der Herr aber tue, was ihm gefällt." 'Aieser Auffassmg vom Kriege entspricht es auch, wenn der altisraielitische König in den Reihen der Seinen wie ein Mann aus dem Volke kämpfte. j Wenn in den älteren Perioden öfters auch die Bundeslade mit ins F:ld genommen wurde, so geschah es, um das Heer der hilfrcichcp Nähe Gottes augenscheinlich zu versichern. j Die erste militärische Organisation Israels reicht bis in die Anfänge des Volkswerdens unter Moses zurück. Gleich nach den: Auszuge aus Aegypten wurde das ganze Volk, soweit e^ waffenfähig war, militärisch gegliedert, und von dieser Zeit an war jeder erwachseye Mann in Israel verpflichtet, bei jedem öffentlichen allgemeinen Aufgebot dem Rufe zu den Waffen Folge zu leisten. Auch das Verzeichnen der waffenfähigen Männer in den Stammrollen, von denen uns aus allen Perioden der biblischen Geschichte Kunde erhalten iftl reicht' bis in die mosaische Zeit hinein. Die Heerespflicht beginnt nach dem biblischen Gesetze mit dem 20. Lebensjahre, scheint aber nach oben zu keine feste Grenze zu haben. Die Musterrollen wurden in der älteren - Zeit nach «Stämmen und Geschlechtern geführt, u. a. unter Namhaftmachung des Abteilungs-Kommandanten. Beim Ausbruch eines Krieges wurden nicht alle waffenfähigen Männer ei^lberufen, sondern je nach Bedarf stellte jeder Stamm ein gewisses Kontingent. Die Einberufung erfolgte durch Aussendung von Boten, die sich meist per Posaunen bedienten. Auch auf Bergen aufgepflanzte Signalstangen bienten als Bezeichnung von Sammelplätzen oder der Zugrichtungen. Als Grund