Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 72 — Grenzen der Völker festsetzt". (5. M. 32, 8.) Tie nachdrückliche Mahnung, Edom, Moab und Ammon, trotz ihres unfreundlichen Entgegenkommens, ja. trotz des Versuches, Israel zu vernichten, nicht anzugreifen, wird nicht allein mit der Verwandschaft motiviert, sondern. ,Lenn ich werde euch in ihrem Lande nicht einen Fuß breit geben, denn das Gebirge Stzir habe ich den Söhnen Esaus zum Besitz gegeben", ferner „denn ich will dir ihr Land nicht in Besitz geben, denn ich habe Or den Kindern Lot zum Besitze gegeben". Wenngleich eine Anschauung wie die biblische, welche lehrt, daß „das Herz der Könige in der Hand Gottes ist, der es nach seinem Willen lenkt" (Spr. 21, 1), auch in dem Offensivkriege nichts als eine Ausführung des göttlichen weltgeschichtlichen Planes sehen kann, und wenngleich jener religiösen Ueberzeugung zufolge, es nicht der aggressive Eroberer, sondern der himmlische Weltenlenker ist, der Könige von ihren Thronen stürzt und andere daraus setzt — weshalb ja auch das biblische Kriegsgcjetz ein . Verbot des Offensivkijieges nicht kennt —, so hat Israel doch nach der Besitznahme des Landes, das ihm. seiner heiligen Tradition gemäß, bereits durch seine Stammväter verheißen wurde, sich lediglich darauf beschränkt, das von Gott ihm anvertraute und die! Stätte seines Gottesreiches bildende Land zu behaupten und gegen Angriffe zu. schützen. Auch die Mahnung, daß der König sich nicht viel Rosse sammle, „damit er das Volk njcht nach Aegypten zurückführe" (5. M. 17, 16), was den religiös gerichteten Israeliten zuwider sein mußte, läßt im Hinblick auf viele andere Stellen, wie Josua 11, 6 s., Jes. 30, 16; 31, 1; 36, 9 u. a. neben dieser religiösen Tendenz auch noch , den Grundgedanken erkennen, der die Vertreter des Gottesstaates stets erfüllt, daß nämlich der Besitz solch imponierender Kriegsmittel, wie Rosse und Wagen, leicht zum Vertrauen auf menschliche Macht verleitet und so zu dem Charakter eines Gottesreiches nicht passe. Dieser Gedanke kommt deutlich zum Ausdruck in prophetischen Ausrufen, wie „Wehe denen, die hinziehcn nach Aegypten um Hilfe, und verlassen sich auf Rosse, und hoffen auf Wagen, daß derselben viel find, und auf Reiter, die sehr stark sind, und halten sich nicht zum Heiligen in Israel,^ und fragen nicht nach dem Herrn. Er aber ist weise und bring/ Unglück . . . Denn Aegypten ist Mensch und kein Gott, und ihre Rosse sind Fleijch und kein Geist. Der Herr wird seine Hand ausstrecken, daß der Helfer strauchle und der, dem geholfen wird, falle, und alle miteinander umkommen", oder „Durch Gleichmut und Gelassenheit soll euere -Rettung kommen, durch Hoffen und Zuversicht sollt ihr siegen. Ihr aber wollt nicht, und sprechet, nein, sondern auf Rossen wollen wir fliehen. Darum werdet ihr flüchtig sein. Und , auf Kennern wollen wir reiten. Darum wird euch euer Verfolger übereilen". Israels Friedensliebe kommt nicht zuletzt auch darin zum Ausdruck, daß es, trotz seines stolzen Bewußtseins, zum „Lichte der Völker" berufen zu sein, trotz seiner Propheten unablässiger Verkündigung, daß „allen Familien der Erde durch Israel der Segen werde" — seine Religion nie mit Waffengewalt anderen Völkern aufzudringen versucht hat. Das entgegengesetzte Vorgehen eines späteren Makkabäerfürsten hat den Unwillen aller Frommen in Israel erregt. Auf einen Defensivkrieg stoßen wir schon, in den äußersten Anfängen der israelitischen Geschichte. Abraham, der erste Stammvater