Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 3 (1.7.1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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— 71 — Kampfes die Ausrottung von Stämmen, die, nach biblischer Anschauung ihre Daseinsberechtigung verwirkt haben, weil die Erde Gottes ihre Laster nicht mehr tragen konnte. (3. M. 18, 25.) Der Sieg über die Urbewohner Kanaans wird überall als eine Ausführung des göttlichen Bernichtungsurteils angesehen. Kein Gedanke wird in der Bibel mit solch scharfer Betonung zum Ausdruck gebracht, wie der, daß die Ausrottung der Urbewohner Palästinas eine für die Entwicklung des Gottesreiches unerläßliche heilige Handlung sei. Nicht gelegentlich und vorübergehend wird diese Ucherzeugung ausgesprochen, sondern sie bildet die einzige Voraussetzung für den universalgeschichtlichen Plan der Erziehung der Menschheit durch das Volk, das „ein Reich von Priestern" werden sollte. Daher durfte erst die vierte Generation Abrahams nach Palästina zurückkehren, weil „die Schuld Emoris bis dahin .nicht voll war". (1. M. 15, 16.) In der unzweideutigsten Form und mit eindringlichen, Worten erinnert Moses sein Volk/ „daß es nicht um seiner Verdienste willen in den Besitz des gelobten Landes gelangt, sondern wegen der Frevel der Voller. die es bewohnen". (5. M. 9, 5. 6.) In vielfacher Wiederholung wird Israel gemahnt, die Greuel jener Völker nicht nachzuahmen, „denn Um solcher Greuel willen vertreibt sie der Herr vor dir" (a. a. O. 18, 12). Vor allem aber darf doch dabei nicht übersehen werden, daß demselben Israel, dem der Auftrag wurde, jene lasterhaften Heidenstämme auszurotten, in langen und sehr erschütternden Mahn- und Warnungsreden eingcschärft wurde, daß ihm bei Nachahmung' jener Laster ein noch schlimmeres Los beschiedcn sein werde, als jenen Heiden. Ter Ausrottungsbefehl gegen die Urbewohner Palästinas' — an dessen praktische Ausführung Israel übrigens nie gedacht zir haben scheint, — tritt ganz in den Hintergrund gegen das Uebermaß der unsäglichsten Leiden, wie sic Israel für den Abfall von Gott angedroht werden. (3. M. 33. 14—44; 5. M. 28, 15-69.) 1 Nach der Besitznahme Palästinas hatte der Eroberungskrieg für Israel, wenigstens für das Volk in seiner Gesamtheit, für immer anfgehört. Das Vorgehen der kleinen Tannitenschar in jener Periode - religiöser Verwahrlosung, in der „ein jeglicher tat, was in ■ seinen Augen recht schien" (Nicht. 17, 6; 18, 1), darf nicht auf Rechnung der biblischen Religionsanschauung gesetzt werden. Auch die Feldzüge Davids und einzelner seiner Nachfolger, die zum Angriffskrieg, schritten, sind nicht der Erobxrungslust entsprungen, sondern allein aem Bedürfnis, das Land vor unvorhergesehenen Ueberfällen der kriegerischen Nachbarn, wie sie ihnen jederzeit drohten, sicherzustellen. Trägheit und Mangel an Expansionsbedürfnis, war es keinesfalls, . daß Israel Jahrhunderte hindurch von aggressiven Kriegern abhehalten hat. Israel war vielmehr ein von Natur aus kriegsmutigcs und kriegslustiges Volk. Hat doch seine Kriegsgeschichte so viele tapfere- Kriegshelden, so viele kühne Handstreiche aufzuweisen, und hoben doch hier so oft kleine' kecke Scharen über große, numerisch weit überlegene Heere den Sieg davongetragen. Allein, trotz seiner Kriegstüchstgkeit hat Israel eine willkürliche Politik der Ländergier, der grundlosen Annexionen selbst in den' Zeiten seiner mächtigsten Herrscher nicht getrieben. Israels politische Anschauung war eben von dem Grundgedanken durchdrungen, daß der Weltenschöpfer und Völkerbildner „die