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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-07-01 · 3 (1.7.1917) · p. Seite 70

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
3 (1.7.1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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Dom altifraelitifdjen Kriegsroefen. Pon Dr. Sigmund Jampel, Schwedt a. Oder. Wie der Erleuchtetste der deutschen Geister, Jmanuel Kant, der hervorragendste Vertreter der Völkersriedensidee in den letzten Jahrhunderten, von dem das neue Europa die erlösenden Worte: „Stehende .Heere sollten mit der Zeit ganz aufhören", vernommen hat, nicht umhin konnte, Lu gestehen, daß „der Krieg, wenn er mit Ordnung und Hcilighaltung der bürgerlichen Rechte geführt wird, etwas Erhabenes an sich hat", so haben auch die Propheten Israels, die Ersten, deren geistiges Auge nach der goldenen Zukunft, in der „die Schwerter zu Sicheln und die Lanzen zu dtcbmessern umgeschmiedet werden", geschaut, cs nie unterlassen, die höhere Weihe der kriegerischen Tugenden, die in den Dienst des erhabenen Gedankens des Gottesreichcs lraten, zu verkünden. So weit diese heilige Idee in Israel herrschend war, galt jedv Krivgsbegcisterung als eine heilige und göttliche. So ruit der Prophet (Joel 4, 9): „Heiliget den Krieg, erweckt dic- Starkcn. . . Macht euere Pflugscharen zu Schwertern und euere Sicheln zu Lanzen. Ter Schwache spreche: Stark bin ich." Die Kriege Israels wurden für den Gottesstaat und im Dienste des Herrn unternommen, und wurden daher auch „Kriege des Herrn" genannt. Dementsprechend war Gott der „Jsch-milchamah-Kriegsnerr", und keiner seiner Namen war so populär wie „Elohim Zebaoth- Herr der Heerscharen". Das Kriegslager Israels galt geradezu als ein heiliger Tempels in dem der grobe Weltcnrichter über Völker und Nationen zu Gericht sitzt und die Weltgeschichte in neue Bahnen lenkt. Daher die Mahnung: „Tein Lager 'soll heilig sein." Ebenso finden die'strengen Verordnungen, daß nämlich jegliche Unreinlichkeit ans dem "Lager fcrnzuhalten sei, sowie daß jeder, dem dtwas Unreines z»- gestoben sei, das Lager 511 verlassen habe und erst nach Vornahme vorgcschriebcner Waschungen wiedcrkommen dürfe — ihre Begründung in den Worten: „Tenn der Herr wandelt in deinem Lager." >5. M. 23, 15'.) Und weil so der Frieden Israels und seine Macht zugleich die Macht des Gottesreichcs bedeutet, so erscheint der Krieg mit den Feinden Israels als ein Gotteskrieg, und jeder, der sich demselben widmet, als ein „Helfer Gottes" <2. M. 17, 16; Nicht. 5, 23). Daß aber der Krieg im allgemeinen im Bewußtsein Israels nur als ein Mittel zum Zweck, nicht aber als Selbstzweck empfunden wurde, ja. daß man in ihnt geradezu das größte Ucbcl sah, das geht schon am allerdeutlichstcn daraus hervor, daß der tröstliche Ausblick auf die Zeit des allgemeinen Völkcrfriedens so sehr erlösend und befreiend aut Israels Gemüt wirkte, daß es mit diesem süßen Gedanken gerne spielte, so daß seine plastische Ansdrncksform stereotyp auf den Lippe» der- Propheten wicderkehrte. (Jes. 2. 1 f., Micha 4, 1 f.) Solche Beweise innerster Friedensliebe bat'kein Volk des Altertums geliefert. Dem entspricht es ganz, wenn die lange Kette der israelitischen Kriogsgeschichte,!mit Ausnahme der Eroberung Kanaans, keine Offenstvkriegc aufweiv. Aber gerade dieser klassische Eroberungskrieg war ein Kulturkampf ersten Ranges. Es galt nicht allein einen Boden zu gewinnen, auf dem der Gottesstaat ausgerichtet werden sollte, sondern vielmehr noch war das Grundmotiv dieses Vertilgungs-

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