Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 2 (1.5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 51 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 5t — Imf. hie sich um den Ostsuden dreht, in erster Linie seine wirtlchaftliche wie soziale Hebung zum Gegenstand und zur Aufgabe bat. Das Leben muß ihm erträglich gemacht werden. Und diese Ertüchtigung für das Leben kann wiederum nur durch eine gesunde Gestaltung des Schulwesens berbeigcsührt werden. Man must die Schnlverhältnisse »mgestalten, nian must die Kinder nicht weltabgewandt erziehen, sondern sie ähnlich, wie das in unseren schulen geschieht, im Lesen, Schreiben. Rechnen, kurz ui all de» profanen Dingen, obne die eine selbständig keil im modernen Leben nicht möglich ist, unterrichten. Eine solche llchbildung der Schulen scheint mir am ehesten möglich, weist, man ausbaut aus dem, was vorhanden ist, wenn also die heute berrschende Unterrichtssprache vorerst zugrunde gelegt wird. Und nun komme ich zu der anderen Seite des Ostjudeuproblems, zu seiner Rück Wirkung aus die deutschen Berhältuisje. Sie wissen, dast auch darüber viel orakelt worden ist. dast über Einwanderung oder Nichteinwanderung, Grenzsperre oder relativen Grenzschlust, über gesetzliche oder polizeiliche Mastnahnieu geschrieben und geredet worden ist. Ob sic Ost-Europäer Neigung haben werden, in bettächtlichem Um sänge nach Deutschland zu wandern, weist ich nicht. Ich persönlich glaube es nicht! Aber ich will es als eine offene Frage bezeichnen. Aui Grund geschichtlicher Erfahrung darf aber angenommen werden, dast eine unbeschränkte Einwanderung, gleichviel ob wir dafür oder dagegen sind, in keinem Falle stattsindcn wird. Uns interessiert vo, allein eins: Der Staat mag, die Tinge regeln, wie es seinen Intern essen entspricht. Aber nicht kommen imrf ein Ausnahmegesetz gegen die Ostjuden. Besonders dasjenige, was der Staat für notwen dig und wünschenswert hält, must in gleicher Weife alle Bürger der okkupierten oder patronistarken Bezirke treffen. lRufe: Sehr richtig!) Jedes Ausnahmegesetz, das sich nur gegen die Ostjuden rickten würde, wäre ein Schlag gegen unsere rechtliche Gleichstellung. «Libhafte Zustimmung.) - - j Ach tomine zui» letzte» Punkte meiner Aussiihruiigen, aus die Wirkung des .Krieges aur das Verhältnis zwischen uns und unjereu christlichen Mitbürgern. Sie wissen, dast im August lMI vielen der strieg als der groste Friedensstifter, als . der itärkste Einiger de« Bolksgenoiien, erschienen ist. Biele glaubte», das goldene Zeitalter, die inefsianische Erlösung lei gekommen. Das war »»historisch ge dachi. Die jahrhundertelangen Erscheinungen des Antisemitismus verschwinde» nickst plötzlich mit einem Ereignis. Revolutionen bringen iiniuer Reaktionen mit sich, und erst ganz allinählich wird de, Fortschritt gewonnen und sestgebalteu. Die rauhe Wirklichkeit, die diese Bliitcntriebe vernichtete, Hatz bei manchen de» Pendel nach «er anderen Seite ausschwingen lassen Und ihn zum trüben Pessimisten gemacht. Die so in ihren Hoffnungen Getäuschten sehen jetzt ganz schwarz in die Zukunft. Sie schütten das Kind mit dem Bade aus und glauben an die versprochene Neuorientierung für die deut-