Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 2 (1.5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 50 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4926451-6352295-6352414--1257-4927358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V — 50 — 9 i deutsch-narionalen Inden gegebene Aorinel für da» Verbältnls zwischen Deutschtum und Judentum: In allen deutschen Dinge» deutsch, in allen jüdischen Dingen jüdisch, habe sich als ganz unmöglich erwiesen. Mit solcher seelengeomctrie Habe der Krieg aufgeräumt. Wie könne man das Gefühl zwischen Deutschtum und Judentum teilen, wie für zwei Völker, wie für zwei Kulturen arbeiten? Das Ergebnis seiner Ausführungen ist, das; die Durchdringung der gegen seitigen Wechselwirkungen zwischen den jüdischen Deutschen und den anderen Deutschen beute noch ein ungeklärtes Problem sei. Es müsse erst die Datsachcnreihe erforscht, festgestellt werden, welchen Anteil das Jüdenlni» an der deutschen Entwicklung, an der deutschen Kultur ge noiumen bat, und wie umgekehrt deutsches Wesen auf das Indentm» ui Deutschland eingewirkt bat. Erst dann, nach Abschlns; dieser wisieu schaftlichen Untersuchungen, würde das P r o b l e m der I n d e n - frage richtig gestellt werden können, solange das Problem nicht richtig gestellt sei, wäre seine Lösung undenkbar, alle Erörterungen unfruchtbar. Angesichts solcher Strömungen ist eine ernste und mck liche, eine von wissenschaftlichen Gesichtspunkten ausgebende Aus 'vrache in freundschaftlichem sinne nicht nur möglich, sondern ge boteiz. Richtig ist wohl, dasi ein Bedürfnis nach Aussprache besteht. Diese Aussprache mus; stattsiuden. Es erscheint mir deshalb auch sehr dankenswert, das; jctst eine neue Zeitschrift ins Leben gerufen worden ist.^die .Lenen Jüdischen Monatshefte", die eine wiche Anssprache iördert, indem sie ohne Rücksicht auf Parteistellung, ja auch von christ sicher seite, Beiträge zur Judenfrage bringt. Deshalb empfehle ich den Jngendvereinen, diesen Dingen ihre Anfnierlsamkeit zuzuwenden, sie niüsseu Ihre ^Mitglieder anregcn und zum Lesen auhalten sagen sie nicht: Wir haben ja schon vor '1—3 Jabreu einen Vortrag über nationales Judentum gehabt, cs ist ein Thema, bei dem sich du Gemüter erhitzen, wir gehen ihm aus dein Wege! Das wäre keim kluge Politik. Man darf solchen Lebensfragen nicht answeichen, sondern sie find dazu da und durch Ihre Grundlage dazu befähigt eure.rnbige und sachliche Ausspracne, die von grösstem Werte für die Zukunft lein kann, der kommenden Generation zur Pflicht zu machen. Eine solche Aussprache tut aber besonders jungen Menschen, deren Weltanschauung sich erst bildet, not, und Ihre Vereinsleitnngen werden dafür sorgen niüsseu, daß die im uferlosen Meer der Möglichkeiten bisher treibende Diskussion nunmehr in ein festes Strombett .v leitet wird. Ich verlasse das reichlich behandelte Gebiet und will mit einigen Worten.auf die Ostjndcnfrage zu sprechen kommen, sie ist so viel in Druckschriften und von der Dagcsprcsse behandelt, das; ich mich dar auf beschränken darf, einige ganz wenige Punkte in den Vordergrund ^zn stellen. Ucber eins sind, wir alle einig. Tie Ostjuden sollen Brok und Gerechtigkeit, sie sollen ein menschenwürdiges Dasein und Sic Möglichkeit freier Entwicklung haben. Daraus folgt, .daß jede Po-