Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 2 (1.5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
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44 Aus dem Stimmengewirr «in Lager der Feinde bei Ablehnung unsres Friedensangebots ging eines klar hervor: man suchte krampst Haft die ungeheure, nioralische Verantwortung von sich abzuwälzen, als-läge die Schuld am ferneren Blutvergießen unwiderleglich auf jener Seite., Niemand mäße sich an, sondern zu wollen, wieviel elende Heuchelei, wieviel Scheinheiligkeit, Gewissensangst oder frommer Selbstbetrug darin enthalten war. Die Tiraden der von Humanität triefenden Verteidigungsreden des Angriffskrieges hat der neueste, gewaltige Feind, hat Nordamerika um ein beträchtliches oer mehrt. Jetzt sind wir soweit, daß die Welt in Ost und West, bis zu den fernsten Ozeanen der Erde zum Krcuzzng aufgerufen wird, und wirklich gegen uns die Waffen erhoben hat. Aus diesem Ringen muß aber, so triumphieren die Feinde schon vorzeitig, unfclilbar durch unsere Niederlage der Anbruch des Völkerfrühlings hervorgehen, und die Epoche eines unverbrüchlichen Friedens unter den Menschen anbrechen! , Deutschland der Widersacher Gottes — der Antichrist. Warum haben wir Juden dafür ein so merkwürdiges Verständnis? Sind Juden und Deutsche vielleicht Schicksalsgenossen? Deutschland denkt nicht daran, sich besiegt zu erklären; es steht in ungebrochener Kraft, riesengroß noch immer da, ein Schrecken seiner nicht mehr zu zählenden Feinde. Die Schlachten von Arras und Reims sind entbrannt: niemand weiß den Ausgang und die Beden tung ihrer Entscheidung. Ein Ahnen geht durch die Welt, daß die eisernen Würfel fallen über die Zukunft vieler Völker. Wann wird die Menschheit sich von dem Fluche des .triegfühceus selbst befreien? Kein Krieg arbeitet, wie der jetzige, der Idee des Völkerfriedens vor; keiner, so sagt unser religiöses Bewußtsein, trägt in seinem schmerzernilltem Schoße für alle Zukunft reicheren 'Segen. Mische kjochschulkupse. Ein Feldpostbrief. , Ich las in meinem „Bombensicheren" beim malten Kerzenscheiu die Nr. l des Jahrgangs 1917 unserer „Mitteilungen" und freute mich recht innerlich, wie die Gedanken der Taheiimjebliebenen und der feldgrauen Juden einander gleichen, wie allen die endliche Erleuchtung in dieser neuen, Zeit gekommen ist, daß uijs nichts in der Gegenwart mehr fehlt lind in der Zukunft nötiger ist als „positives Judentum".! Was der Kamerad Woznianski in seinem „Brief" jo sicher beobachtete; die Verwunderung der feldgrauen Jomkippurgemeinde. daß sie — die wenigen — „es" (die heilige Sprache) „konnten": das ist die jüdische Tragödie unserer Tage, weit mehr als es der alte und der neue Antisemitismus ist, als „Judenzählung" und „Offijiersbeförderungen". Tenn das rührt an die Grundmauern des Judentums, gefährdet das einzig Wesentliche: seine Zukunft. „Der