Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 2 (1.5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
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— 48 — Nicht nur ist der Mensch int Gleichnis Gottes geschaffen, — auch wir schaffen Gött nach unserm Bilde. In uns lebt er wider alles Vermuten, und! wirkt lebendig unter den Schrecknissen des Krieges als der Gott des Erbarmens. - Wie wunderbar erbarmt sich vorab jedes Volk hüben und drüben seiner'im Felde stehenden Kriegers man könnte hustderte von kleinen Zügen' auszeigen, die sich alle zu dein großen Strom dieser Liebe vereinen. Aber schließlich liebt ein Volt dainit nur sich selbst. Viel höher zu veranschlagen ist die seltene Wunderblume Fein desliebe, von der zwei Religionen (oder mehr?) behaupten, sie sei in ilstem Garten ausgesprossen. Für uns ist es eine feststehende Tat-, »ache, daß das Judentum diese heroische Tugend, wie so vieles andre, dch- Tochterreligion als mütterliches-Erbe in die^Wiege gelegt hat. Aber wir würden darauf gar kein Gewicht legen, wollten die christ iichen Völker in: Feindesliebe und tätigeni Edelmut nur mit einander wetteifern!! : Von Deutschland wissen wir, daß der einzige, int Anfänge ausivällende Haß gpgen England (ein Haß aus Liebe!) bald einem Neuegeisühl wich: mgn schämse sich des „Haßgesangcs". und des Ausdrucks ..Oott ftrafc GttßlQIlb ■ hm»! PIN rtpfnMrtpnPr fön^Tnnhpv ftpifimtr* weil i h r e dein ein gefangener Engländer beifügte: s nicht strafen könnt!" Inzwischen ist es ’n mor mehr de n edlen Worte seines Lessing gerecht geworden: „Im Verzeihen müssen wir dem Himmel gleichen. N^lch Vergeltung riefen gewisse Taten, die französischer Haß, russisch Herzlosigkeit an wehrlosen Deutschen verübte; mit des gleichen Münze heimzuzählen war der Deutsche nicht fähig. Da ge n'n ergriff er jede Gelegenheit, Edelsinn zu beweisen und dem Fl inde Gutes zu tun. Darüber jubelten jedesmal das deutsche Gr missen und das jüdische Herz. Kein Krieg ohne Abstumpfung und eine gewisse Verrohung des. Gefühls: aber auch kein noch so blutige» Kiieg, ans br-fiqn Dunstkreis nicht dir göttliche Liebc strahlend emporiti 'ge. Wer uns aiifinerksamer gefolgt ist, kann unsre Absicht nicht ver kennen. Es st;ht dem Menschen nicht an, Gott rechtfertigen zu »vollen; wir Ha ien daher die Entscheidung in unser eignes Gewissen geschoben und c efragt, ob wir selber weise, gerecht und gütig genug »varen, um den Krieg einmal zu vermeiden, und dann in seiner Füh rung erträglich zu machen. Wir fanden viel anzuklagen, aber dock »vohl am meisten bei uns selbst. Wir verhehlen nicht, ein Rest von Trauer bleibt äuch uns, daß wir Gott uns erst zurückerobern müssen aus deni Jamn er des Krieges: wir beredeten uns gern, daß er'.viel leicht in seiner! Allmacht sanftere Wege mit uns hätte gehen und dennoch seine Zwecke und Absichten hätte erreichen können! Was der Schmerz uns erpreßt an Widerspruch in Gefühl und Worft wird droben nicht angerechnet. Der Schmerz wird noch sehr lange fort ivirken und wie eine Eisdecke die schwächeren, religiösen Energien ertöten. Die stärkeren werden sich durchringen nnd ihren Frühlin» ftnden.!