Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 2 (1.5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 — Ein ernster Lehrer ist der Kneg. Wir lernen über den Tod anders denken, als.im Frieden, da er, wie Leopold Ziegler sagt, kein Erleiden mehr ist, sondern selbst zur Tat wird. Unsre Ehrfurcht vor dem heiligen Schmerz der Eltern, Gatten, Kinder, Bräute, die den Herzgeliebten dahingegeben, gibt diesen den Beraubten nicht zurück, aber sie mildert das Leid: die Dankbarkeit einer ganzen Nation weih: es. Wunden, Verstümmlungen, verlorne, noch so kostbare Organe. Siechtum bis ans Ende, sie werden leichter getragen, denn sie erinnern an das dem Tode abgörungene Stück des immer Willkomm neren Lebens. Der"„liebe" Galt gehört oft einer matten Seele und weichlichen Stimmung an, die schwere Zeit kündet den großen und erhabenen. Nicht auch den barmherzigen? Fragt die Känipfer selbst! Solange ein Odem in ihnen ist, und wenn sie auch von Schlacht zu Schlacht stürmen müssen, sie erleben Rettungen nicht nur des Leibes, sondern der Seele. Wohl ihnen, wenn sie ihren Gott in den Krieg mitgebracht und zu ihm beten ge lernt hatten: wenn sie aber nur ein für alles Große cmpfänglicktes Herz besaßen,' so erwarben sie sich Gott, oder entdeckten, daß sie ihn immer gesucht, und nun gefunden hatten. Beiden strömte aus ihrem alten oder jungen Vertrauen unermeßliche Hilfe in Not und Tod. Diese froinnic Zuversicht teilt sich der Heimat mit; das ganze Volk wird von diesem guten Geist durchdrungen, der einer Hydra :>on Feinden standhält. Wir dürfen nicht fragen, ob der Todesopfer oder der wunderbar Geretteten mehr seien? Denn Millionen der letzteren trösten keine des Sohnes beraubte Mutter, kein ihrem Gatten nachtrauerndcs Weib , jenen gilt ihr berechtigter Neid. Ob alles Leid aus einem grausanien gefühllosen Verhängnis stamme, einen liebenden Gott aber ansschließe das müssen wir auch'in aller Kriegsnot fragen! Tief empfunden hat es der griechische Tragiker: Leiden soll Dir Lehre sein;- Strenge Wege führet uns die Gnade, Die am Wcltensteuer sitzt. Gelehrt und zugleich in feiner Geschichte zur Darstellung gebracht hat aber das Judentum die Erkenntnis, daß auch Leiden aus göttlicher Liebe entspringen könne, daß die Gottheit ihr Licblingsgebilde, den Menschen, wie ein Vater den Sohn, in eine Strenge Zuchl »ehme, um sein Bestes zu fördern und das Höchste aus ihm empor - zulocken. Wollen wir uns von Iphigenie beschämen lassen, der ein Soetkie die Worte in den Mund legt: Der mißversteht die Himmlischen, der sie Blutgierig wähnt, er dichtet ihnen nur Die eignen, grausamen Begierden an; »nd nicht lieber mit inr beten: ---Rettet mich. Und rettet :uier Bild in meiner Seele!