Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 2 (1.5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Besonders im Anfang des Völkerringens konnte man öfter den Stoßseufzer? hören: hätte man ein Dutzend Kriegshetzer rechtzeitig unschädlich gemacht, der Welt wäre dies Meer von Blut und Tränen erspart geblieben. Es ist ziemlich still davon geworden: auch davon, daß alle Angriffslust ausschließlich bei den uns feindlichen Stationen zu finden war. Wahr und tröstlich für uns ist es, daß unsere verantwortliche Politik stark und aufrichtig dein Frieden : diente, ebenso aufrichtig wie die großen, linksstehenden Parteien.' Und die Religionen, die nach dein vorlauten Urteile einiger Schreibe allesamt in diesem Kriege Schjffbruch gelitten hätten? Wir könnest nicht in das Innere fremder Bekenntnisse eindringcn, wir glauben. aber, daß sie alle nur widerwillig Waffen segnen. Von, jüdischen Bekenntnis wissen wir. daß es dem Frieden dient, und von den Inden, daß die alldeutschen Ideale der Machtpolitik nicht die ihrigen sind. Trotzdem rifej es den wehrhaften Juden mit in den Strom der Begeisterung. und haben unsere Jünglinge weit über die Pyrzcntnorm den freiwilligen Schlachtcntod gesucht und gefunden, ohne damit mehr 5« tun, als i h r e jüdische Pflicht gegen d a s Vaterland. Mose war es, der Stifter des sogen.!alten Bundes, der den Kriegsmüden zurief: Wie? Eure Brüder sollen in den Krieg stehen, Und ihr wollt hier bleiben? Ties Wort wirkt heute hoch. Wir bemerkten oben, daß es die Gerechtigkeit des Krieges s«si, den Besseren anzufordern. Wir möchten den Gedanken noch von einer Seite ergänzen: Andre große Uebel, Krankheit, Hunger, Wasser- und Feuersnot, Erdbeben und Lawinen machen keinen Unterschied zwischen Gerechten und Ungerechten — der Krieg versucht es. Jenej Erkenntnis gab Abrabam das unvergleichlich schöne Gebet für die verderbten Sodomiter ein: „Vielleicht sind -V) Gerechte in der Stadt .... sollte der Richter der ganzen Erde nicht Gerechtigkeit üben?!" Wohlverstanden: Abraham' will der glühenden Lnwa. nicht den Weg vonchreibcn: er will sie ins Erdinnere gebannt stvmen, solange die göttliche Strafgerechtigkeit dies duldet. Denn unter diesem Gesichtspunkt sah man damals jede Naturkatastrophe an. Nicht io beute. Sie bringt dem Menschen seine Dhnmacht zum Bewußtsein, 'nicht seine Sündhaftigkeit. Zn einer mir mechanischer Furchtbarkeit wirkenden Maschine möchte man beute den Krieg machen: um io weniger kann er wählen und auslesen. Aber auch der Sinn dieser Entwicklung der Vernichtnngstechnik ist das Streben, nicht persönliche Feindschaft im Ringen der Einzelkräfte sich austoben zu lassen, wie in den alten, homerischen Kämpfen, sondern Volk wider'Volk, beiderseits mit dem Aufgebot seiner körperlichen und intellektuellen Kräfte aufzubieten. Ist hier nicht vielleicht auch -er Weg für eine höhere» göttlickie Gerechtigkeit, vor allem im Ausgang des Krieges? Erst wenn dieser da stein wird, wird der Blick freier werden auch für das Walten jener grüßen, der Welt innewohnenden Gerechtigkeit. Israels Propheten stehen im Einklang mit deni Dichterworte: Die Weltgeschichte ist das Weltgericht; sie haben uns gelehrt, auch jenes andre anzuerkennen: „Denn jeder Ausgang ist ein Gottesurteil." Zn