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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-05-01 · 2 (1.5.1917) · p. Seite 38

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
2 (1.5.1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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— 38 — Tage liegen, dagegen das mächtige Rauschen des Geistes zu Überbören, der sich ankündigtc, und endlich sein Ziel erreichen wird. Doch, so hören wir einwenöen, wllte die Weisheit Gottes nicht gerade dort sich offenbaren, wo die nienschliche sich unzulänglich erwies? Konnte sie nicht vermöge der ihr zur Verfügung stehenden Allgewalt die Geister zwingen, dem eimnal erkannten höheren Grundsatz zu folgen uni» Wege öffnen, dem von den Nationen unk Völkern, wenngleich nicht von allen Politikern, Kriegshetzern nn.d Volksverführern im tiefsten Innern verabscheuten und gefürchteten Kriege zu entgehen?! — Bedenken wir wohl, was wir damit wllnschen, und seien wir ehrlich! Stellen wir uns nicht als die gehorsamen Kinder hin, die nur auf einen Wink von oben oder auf eine Erleuchtung warten, um sogleich in ihren Dienst zu treten, für sic zu wirken und Opfer zu bringen. So lauge es uns unter dem bewaffneten Ftieden und zunehmendem Rüstungsfieber wohl erging, waren wir zufrieden, sa stolz auf die Weisheit Unserer Staatsmänner. und auf unsre eigne. Wenigstens fühlten wir uns nicht berufen, warnenden Stimmten Gewicht beizulegcn. uns einer drohenden Entwicklung entgegenzuwerfen. Zch sage „mir",j d. h. weitaus die Mehrheit des Volkes,.^die uns mitvertrat. Damm ziemt »ns jetzt, da nüs die Schrecknisse des Krieges durcheinander gerüttelt, aus Traum »ich. Leichtsinn anfgescheucht und in die Welt grausiger Tatsachen gerissen haben. das Gefühl der Demut. Nicht weil Gottes Weisheit unzulänglich war. ist es über uns gekommen, sondern weil wir nicht ihr Gefäß und Werkzeug sein wollten, träge und widerwillig, wobt gar verstockt waren, auch als die blutigen Zeichen bereits! drohten. Aber eine neue Einsicht dämmert in uns auf. Unser Platz iei fortan an der Seite der Erleuchteten! Nicht dort, wo man am Beispiel dieses schrecklichsten aller Kriege den schlüssigen Beweis zu bringen nieint: „Wenn ans dem Schoße w hochentwickelter Kultur jetzt noch ein derartiges Völkermorden her- Vorgehen konnte, daun liegt eben ein Naturgesetz vor. Kriege waren stets und werden immer bleiben. Es ist töricht, sich dagegen aufzu lehnen!" Wir ehren jedes Naturgesetz-, aber nicht jeden Glaubenssatz materialistischen Abi nvitzes. Ein solcher aber ist es, den man besonders aus den darwinistischcn Entdeckungen des vorigen Jahrhunderts ablas, daß auch der Mensch nur unter den Naturgesetzen des Daieinskamp'fes und der Ausleie des körperlich llebertegenen stünde, genau wie Pflanze und Tier! Dein ist nicht so. Tie Wahrheit hat schon der erste Bewunderer und Kritiker Darwins. Thomas ourlep, erkannt: Gerade dort, wohin der vernunftbegabte Mensch kommt, setzt er dem blinden Vernichtnngskampf eine Grenze, bringt er Luft und Licht für alles Gedeihen in die Welt hinein, bandelt er 'nach höheren Zwecken und Zielen, die seiner anders gearteten stellt keins der Naturgesetze außer Krait. und gewinnt ihnen Vorteile ab: üch selbst 'Seele entspringen. Er sondern bedient üch ihre «der befreit er immer mid unterwirft üch de> Vernunft, und das beißt nebr von dem Natiilchafte», 'das ihn fesselt, u Gesetz der freien Selbstbestimmung, der dem Willen Gottes. Kriege werden immer

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