Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 1 (28.2.1917)
- Date
- 1917-02-28
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4926451-6352295-6352413--1224-4927326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 18 — zu bezwingender Hoffnungjsmut gerade jetzt, so daß wir zu einer Entgegnunz uns nur herbcilassen, wiel wir die Ententenotcn beantworten, nur für uns selbst zum Tröste, und böclistcns noch mit einer Anstandshofsnung aus einige Neutrale. Was hat sich in unserer heutigen Lage unseren deutschen «taatcgenossen gegenüber verändert? Tie Angriffe sind jetzt erfolgt, nachdem wir in einmütiger Begeisterung allesamt uns in den Blutdicnst des T aterlandcs-gestellt haben und mährend wir fast in einem jeden Dause unter t ns von Trauer ergriffen sind über der Tod fürs Vaterland. den söhne und Täter und Brüder oder entferntere, aber unserem Herzen nahestehende Verwa idtc und Freunde gestorben sind. 3 > dem allgemeinen Leid, das auch uns wie das ganze Land betroffen h,jt, stöst man uns gerade in solchen Tagen tiefer Trauer und schwersten Knininers nclen den allgemeinen sorgen und Pötcn nun noch diesen be-ondecn Dolch ins Herz, der nicht nur unseren sclstnerz verschärft, sondern unser Aefüll ’ durchkreuzt, so daß man zu dem tcuslichcn Verdacht gebrach! wird, als wäre es abgesehen aus diese Verwirrung ustseres Gefühls, als ob man unsere, Palrwnsmus vereiteln wollte, weil er ihnen das Konzept für ihren .Ha; verdirbt. i In weiten Kreisen durchzittert utzs der Gedanke, doß wir eines solche, Anfalls auf das rein menschliche Gefühl, eines solchen Mangels an Mitleid und'Respekt für das Äiitleiden derer, ^die man von dem eigenen Volke unterscheidet, die nun aber in Reih und Glifd in diesem Volke kämpfen, »ns gerade bei deutschen -Menschen nicht verwkun chatten; daß uis diele Verirrung zwar in unserem eigene» historischen Gefühle für den deutschen Volksgeist nickt irremachen kann, daß wir aber diejtz Episode dieses Weltkrieges wahrlich mehr als Deutsche denn als Juden ernst und tief beklagen, und daß wir m l Besorgnis auf das Ausland blicken, welches von diesen Vorgängen schadenfrohe Kunde erlangen wird. Diese Gefühle einer ernsthaften national-dcu - scheu Bekümmernis sind«es. weiche uns heute mißmutig und widerwillig machen gegen die Abwehrljcner nicht endcnwollenden Anklagen. Wir dürfe, uns aber der Pflicht nickst entziehen, -immer wieder nicht zu schweigen, fordern, «ohne.die Rechnung auf Erfolg, der Unwahrheit entgegenzutreten. W(r erkennen diese Pflicht nicht nur zur eigenen Tröstung, sondern auch zur Eitmahnung, wenn nicht zur Belehrung unserer deutschen Gegner. Mit unsere,. Rechte als Staatsbürger! jüdischer Oiieligion erkennen wir auch die Pslickt verbunden, vor dem schaden zu warnen, der unserer Ueberzeugung nach der deutschen Ehre durch, jede Art der Judenfeindschaft zugesügt wird. Und wir erachten unsere eigene Ueberzeugung für ebenso objektiv, wie unsere Gegner die chrige halten. sckmoller hat nicht nur in feiner, Jahrbuch (Bd. -10, Hest 4) unter dein Titel „Obrigkeitsstaat und Volksstaat" bei der Besprechung von Hugo Preuß: ' „Das deutsche Volk und die Politik" «zur Judensrage sich geäußert, sonder, als Arttwort auf seine «ganz harmlosen Bemerkungen" in der „Tägliche, Rundschau" (Nr. 27) unter dem Titel: i.Tie heutige deutsche Judenfrage". Cs sei mir gestattet, an die letztere Kundgebung zunächst anzuknüpfen. „Ich hatte mit meine besten Freundf unter Juden und Halbjuden." Dieses Wort dürfte, wirklich harmlos sein, aüer es muß dennoch abgelehnt werden. Wir könne, keine Halbjuden anerkennen. Nur «der Rassenstandpunkt kann so unteischeidcn. Wer den Begriff des Juden nur religiös faßt, und wer in dcr Ueberzeugung steht und Dämpft, daß stur der religiöse Begriff des Juden des geeignete Problem bildet« für die Fratze des nationalen Staates, der sieht in dieser Unterscheidung von Juden und Halbjuden einen verhängnisvollen Kehler/ Wo möglich, mstßte man dielganze Druchskala durchrechnen, um den richtigen Anteil,des sogenanntest Juden im deutschen Menschen festzustetteil.