Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 6/7 (1916)
- Issue
- 2 (15.8.1916)
- Date
- 1916-08-15
- Page
- Seite 44 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4926451-6352293-6352409--1139-4927245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— y und einschärsen? Ter Jinmcuictilidic Truck. der in den düsteren Jahrhunderten des Mirtelalters auf unseren Vätern lastete, er trübte ihnen mancherlei von den Idealen der Vorzeit, er entstellte ihr Aeußeres und ließ es vielfach verwahrlosen: er ichus hier und dort jenes Zerrbild des Juden, das fortan die gebräuchliche Vorstellung aus unsere Geineinscl)ast schlechtweg übertrug. Daran klammern sich unsere Gegner, holen cs spöttisch hervor, um es mit beliarrlichcr Bosheit, 'mit unbelehrbarem Hohn aus die Gegenwart zu beziehen. Kein Hinweis verfängt bei ihnen auf ne biblische Vergangenheit, in der unseres. Stammes Entwicklung kcimhaft schlummert. Es bleibt sogar mehr als srpglich, ob sie den Ersayrnngen des »ricgcs, nicht den Worten, die geredet, sondern den Taten, die vollbracht werden, irgend einen Wandel ihrer Anschauung entnehmen. Leit Monaten weilen Tausende deutscher Juden im Felde, stehen hier draußen mit ihren Kameraden in Reih' und Glied, leisten fern von der Heimat mit freudiger Hingebung die Pflicht, die das Vaterland ihnen gebietet. In ihnen flammte die erloschene Tugend der Ahnen empor. Sb ausgesprochen oder unbewußt, ob dunkel geahnt oder deutlich empfunden, leuchtet über ihnen das alte Wort, das ihren Vorfahren einst in Fleisch und Blut übergehen sollte: Jeder zu seinent Panier, jeder auf seinen Posten! Sie gewöhnten sich von neuem an Zuckt und Ordnung. Sie lernten rückhaltlos in das große Getriebe sich einsügcn, das Deutschlands Heere planvoll zusammcnhält- Das Wohltätige militärischen Zwanges, das Segensreiche soldatischen Geistes ging ihnen auf: nrit ihrent Tun und Empfinden versckinolz jene Gesinnung, darinnen zum wesenhaften Teil das Geheimnis unseres Erfolges ruht. Wenig kümmert sie dabei, ob die andern draus achten oder Lob und Anerkennung hartnäckig verweigern. Mag auch zuweilen ihr Herz sich in herber Enttäuschung zusammenkrampsen, es findet sich damit ab, daß es genügt, vor dem eigenen- Gewissen rein und vorwurfslos zu bestehen. Was lohnt cs, dem das Auge zü öffnen, der cs absichtlich verschließt und nicht sehen will? Er blinzelt nur nach Ausnahmen, die sein vorgefaßtes Meinen bestätigen. Er späht bloß nach Verschlungen, die notwendig mit unterlaufen, von uns nicht weniger verurteilt und abgelchnt. Wenn auch schmerzlich berührt, so doch unerschüttcrt in ehernem Bewähren, verharrt uneingeschränkt der Durchschnitt bei dcni, was er aus der jüdischen Uebcrlicwrung schöpft, was er dcr deutschen Gewöhnung zum zweiten Male verdankt: er stebt zu seinem Panier und hält seinen Posten. Gleichgültig also, ob in Zukunit feindseliges Gerede verstummt, keimt dennoch eiise andere Zuversicht uns cnipor aus den Lehren des Feldzugs. Sie glänzt minder nach außen, geht unmittelbar die deutsche Judenhert an. Es kommt uns nicht in den Sinn, uns selber heraiiszustreichen. Wir blicken den Dingen ins. Auge und legen vor uns ein freimütig Geständnis ab. drum werfen wir die Frage auf, damit ein jeder sick die Antwort erteile: Zeigten wir immerhin die Fähigkeit soldatischer Zucht, militärischer Ordnung schon früher im Frieden, mit den übrigen wetteifernd, bewiesen wir auch zumal im Kriege, daß wir darin nimmer zinückstehen — gebührt uns wohl der