Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 6/7 (1916)
- Issue
- 1 (15.6.1916)
- Date
- 1916-06-15
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/4926451-6352293-6352407--1112-4927219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
_ 22_ ücrbanbs *TTad]riditen 14. Dorftanbsflfyung bes Derbanbes ber jübifdjen Jugenboereine Deutfdjlanbs. Berlin, den 21. Cftobcr 1015, vormittags 10 llfir, in dcn Räumen des deuisch-israclitischcn Gemcindebundes. Anwesend: Rcckttsanwalt Dr. Apfel, Vorsitzender; Rechtsanwalt Leo Paich und Sieftbcrt Colin > Jüdischer Jugendbund, Berlin); Rcchtsanwalk Nr. I. Kahn (Jilgendverciu Gabriel Riesser, Köln); Rechtsanwalt l>r. A. Lichicnbcrg ländischer Jugendvercin, Hannover); Referendar Nr. Cdmnnd Weil! (Indischer Jugcndvcrcin, slraßburg); Kommerzienrat M. Stein iGraf;löge II. C. B. B. für Deutschland); Justizra: Or. Brodnitz und Irrau Jusrizrat Helene Meyer (Ccntralverein deutscher staaiSbiirger jüd. Glanbensi; Professor Nr. M. sckmeser (Dcutsch-israelit. GemcindcvundF Fräulcin sidonic Werner (Jüdischer Frauenbuitid); Lehrer M. steinbardt ^Verband der jüd. Lehrcrvcreuie int Deutschen Reiche); Nr. Kurt Alercrndcr (Westdeutscber Bczirksvcrband jüdischer Jugcndvcrcinc); Rabbiner Nr. Paul Lazarus (Rheinisch-westfälischer Bczirksvcrband jüdischer Jugcndvereine); Sicftfricb Brünn, Cora Berliner. Nr. Aptel gedenkt der zahlreichen im Krieg gefallenen verdienten Mitglieder, deren Blut hoffentlich nicht umsonst geflossen sei. Cr richtet einen Grüß an die Angehörigen der Verstorbenen, sotvie an die Freunde in den Lazaretten und aus den Schlachtfeldern. Cr führt dann aus: Das jüdische Problem beschäftigt uns in dieser Zeit wie nie zuvor. Cb nach dem Krieg die antisemitische Bewegung abslaucn wird oder nicht, läßt sich noch nicht entscheidend beurteilen. Wir müssen nach Friedcnsschluh bei nicht allzu krassen Fällen zunächst eine gewisse Zurückhaltung üben, um sestzustellen, wie sich die andersgläubigen Mitbürger gegenüber einem Wiedercrwachcn des Antisemitismus verhalten werden. Es läßt sich leider , nicht verkennen, das; selbst in dieser Zeit erhebliche judcnseindliche Strömungen' vorhanden sind, und daß zahlreiche krasse Fälle von Zurücksetzung die seele des Juden init tiefer Bitternis erfüllen müssen; aber ebenso sicher ist auch, daß die vielen Tausenden von jüdischen Soldaten, die sich im Felde mustergültig bewährt haben, eine große Anzahl bisher Andersdenkender zu einem überaus günstigen, jedenfalls aber zu einem gerechteren Urteil über unsere staatsbürgerlichen Eigenschaften erzogen haben. Nach dem Krieg wird wahrscheinlich bei den ersten antisemitischen Versuchen ein beftigcr Meinungsstreit zwischen dcn christlichen Bürgern stattfinden, dessen Ausgang zunächst abzuwartcn ist. Die. zukünftige Entwicklung des inneren jüdischen Lebens vorauszusagen, sei besonders schwierig,, da wir vor allen Dingen noch nicht beurteilen können, mit welcher Gesinnung unsere Kämpfer zurückkehren werden. Er. Redner, sehe ganz bestimmte Entwicklungsmöglichkeitcn, deren nutzbringende Erörterung aber zurzeit verfrüht sei; es ser geradezu erstaunlich, welche Wandlungen in vielen jungen Juden draußen vor sich gegangen seien. Mit tiefem Bedauern müssg sestgestellt werden, daß weite jüdische Kreise genau