Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 6/7 (1916)
- Issue
- 1 (15.6.1916)
- Date
- 1916-06-15
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie schön aber wußte unser Heimgegangener selbst von dem erreichten Gipfel äußeren Erfolges den Weg zu finden zur geistig-sittlichen Höhe. Er hat seinem eigenen Lebenswerke die schönste sittliche Krone aufgesetzt dadurch, daß er es ausmünden ließ' in eine hochgesinnte, hingehende, gemeinnützige Arbeite in ein großzügiges Wirken für hohe sittliche und geistige Ideale. Er ist nicht nur wie viele ein warmherziger Wohltäter der Armen und Bedrückten geworden, er hat nicht nur Leid und Not in lebendiger persönlicher Anteilnahme gelindert, er ist nicht nur gar vielen Ringenden und Strebenden ein Helfer und ein Förderer gewesen, nein, er ist vor allem mit den Jahren mebr und mehr in tiefem Verstehen und klarem, festem Wollen ein väterlich vorsorgender, stets opferwilliger Schirmherr und Mäcen seiner jüdischen Gemeinschaft geworden. Er widmete seine tatkräftige Unterstützung nicht nur den eckt modernen Bestrebungen der Fürsorge für die Arbeitsuchenden, für die Verirrten der Landstraße,• für die Schaffung eines Standes von Ackerbauern und Handwerkern ini Judentum, nein, er erstrebte vor allem das geistige Wohl seiner Gemeinschaft. So widmete er seine lebendige, tatkräftige Teilnahme dem inneren Leben des deutschen Judentums, .griff er mitbcratend und fördernd ein in die inneren Angelegenheiten der deutsch-jüdischen Gemeinden, traf er großzügige Fürsorge für die Sicherung eines auf der Höhe seiner Aufgabe stehenden jüdischen Lehrerstandes, sorgte er getreulich für den Zusammenschluß und die Erziehung der jüdischen Jugend und ward — wahrscheinlich nicht das lebte — ein starker Schirmherr der jüdischen Wissenschaft wnd der jüdischen Philosophie im besonderen. Wahrlich, ein Leben, das zu solchen Höhen führte, ist eist gesegnetes, ein glückliches Leben. Darin aber, daß es zu solchen Geisteshöhen führte, enthüllt sich uns zuletzt das innerste Wesen unseres Heimgegangenen. Hier ist der Lebensstil der Mann. Zu solcher Höhen konnte er. nur schreiten, weil er im Innersten seines Wes ms ein „Maskil", das heißt ein Freund des Geistes, gewesen jst. i! Meine Andächtigen, wir wissen, was dreses so schwer übersehbare Wort Maskil im späteren Judentum bedeutet hat. In ihm klingt die edelste, tiefe Sehnsucht eines drrrch Jahrhunderte vom Licht; abgeschlossenen Volkes, das, in Knechtesgestalt unter den Nationei wandelnd, in heimlicher Schönheit der Seele doch alle Zeit ein echter Ritter vom Geiste gewesen ist. In ihm klingt die tiefe Sehnsucht der jüdischen Seele nach Erkenntnis, nach Wissen, nach geistigen Lebens- Werten. Diese edle Sehnsucht, dieser schönste Drang hat auch in unserem Heimgegangenen gelebt. Er mag in einem so durch und durch jüdisch gearteten und jüdisch denkenden Manne ein Erbteil seines Stammes gewesen sein, aber zur lodernden und leuchtenden Flamme