Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 6/7 (1916)
- Issue
- 1 (15.6.1916)
- Date
- 1916-06-15
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 — Von dieser Grinacujiig ans begrüben wir cs denn mit ganz besonderer Freude, daß! der Verband der jüdischen Fugcndvereinv Deutschlands seine Arbeit in vollem Umfange wieder ausgenommen bat- Hier baben wir die Organisation, die zunächst berufen ist. die jüdische Jugend vertraut zu machen mit der großen Aufgabe, die ihrer wartet. Einzelne Vereine haben ja, trotzdem der Verband zeitnreiHg gezwungen war, seine Tätigkeit einzustcllen, uniinterbrocben in der Kriegszeit gearbeitet und Erfolge erzielt,- die der höchsten Anerkennung wert sind. Aber es hat die Einheitlichkeit gefehlt. Das ^usammengebörigkeitsgefühl der einzelnen Glieder der Organisation bat sich.gelockert. Damit mußte aber auch das unbedingt notwendige, ziclbewußte Streben auf das eine große Endziel beeinträchtigt iverden. Wir setzen nunmehr das Vertrauen in unsere Verbandsleitung. daß sie mit aller Energie die Geschäfte wieder in die Sand nimmt, und die Schäden, die sich hier und da eingcschlicheu haben, tatkräftig ausmerzt. Nie hat die Jugend so viel gegolten wie heute. Nicht nur draußen im Felde, sondern auch hier in der Heimat hat inan ihre Kraft schätzen gelerin. Es wäre bitter traurig, wenn die jüdische Jugend ihre Stunde verfehlen würde. Ein unendliches und herrliches Arbeitsfeld eröffnet sich heute rinserem Verband. Wir sind es unserer Liebe zum Judentum schuldig, daß wir cs nicht brach liegen lassen.*) Aber alle Mühe der Perbandslcitung würde vergebens ausgewandt sein, wenn sie nicht gleich arbcitssrcudig von allen Einzelinitglicdern unterstützt würde. Wie oft haben wir da im lebten Winter von Persönlichkeiten, die früher in unserer Bewegung sehr tätig gewesen sind, ablehnende Antworten enkgegcnnehmen müssen, wenn wir! versuchten, sie wieder für unsere Sache zu gewinnen. Tie Notwendigkeit der Arbeit verlohnten sie wohl alle nicht. Aber sic sahen die Schwierigkeiten, die sich unter den heutigen Verhältnissen einer gercgeltei, Vcrcinstätigkeit in den Weg stellten, als so unüberwindlich an, daß sie lieber daraus verzichteten, irgend etwas zu beginnen. Daß gerade jetzt wiche Ansichten laut werden, ist kaum faßlich. Haben wir ni.bt am Beispiel unsercs Vaterlandes gesehen, daß kein Hindernis so bock ift daß es nickt überwunden iverden kann, wenn nur der Wille, cs zu beliebe», da ist? So können wir auch bei uns mit nur ein wenig Willen zur Arbeit vieles erreichen. Es ist doch kein Zufall, daß die Vereine, selbst solche an kleinen Orten, die ihre Arbeit nicht unterbrochen baden, mit außcrgeivöhnlich schönen Erfolgen ausivarten können. Was hier geleistet worden ist, kann anderwärts ebenso gut geschehen. Denn überall dürsten die Verhältnisse ähnlich liegen: unter dem Maugel an männlichen Mitgliedern, der durchweg als das größte Hindernis der Wiederaufnahme bezeichnet wnrde, werden zweifellos alle Vereine zu leiden haben. Oder sollte vielleicht der -) In diesem Zusammenhang mischten wir den Wunsch aussprechen, das? ein Zusammenarbeiten unseres Verbandes mit den übrigen Jugendorganisationen, ganz besonders mit denen, die die akademische Jugend in sich vereinigen, unbeschadet der durch die Zusammensetzung sich ergebenden Sonderbcstrcbungen, in die Wege geleitet würde. Gemeinsam haben wir alle doch schließlich das letzte Ziel: die Erhaltung des Judentums.