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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1916-06-15 · 1 (15.6.1916) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
6/7 (1916)
Issue
1 (15.6.1916)
Date
1916-06-15
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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— 6 — Kinder in Preußen erdalten eine bessere als Volksschulbildung (64 bei der nichtjüdischen Bevölkerung nur 9 %). *) Die jüdischen jungen Leute treten also erst spät und gut vorgebildct in das.Erwerbsleben ein. Ta ausserdem der Ausstieg der jüdischen Massen in Deutschland ans ärmlichen Verhältnissen in eine gebobene Mittelschicht erst dem 19. Jahrhunderl angebört. besteben in der jüdischen Bevölkerung noch keine stark ausgeprägten sozialen Tiffercnzicrnngen. Man betrachte einmal 'die grasten weit verzweigten jüdischen Familien. Fast ausnabmslos findet man in ihnen alle sozialen Stufen von: höchsten Reichtnmc bis zu grostcr Armut vertreten. Ter starke Zusammenhang, der die Juden charakterisiert, verhindert aber die Proletarisierung dieser unteren Schichten. Tie Gründer der ältesten jüdischen Jugendverciuc aber haben versucht, die Methoden der sozialen Arbeit, wie sie sie in ihrer Mitarbeit in interkonfessionellen Organisationen kennen gelernt haben, ans die jüdische Arbeit zu übertragen. Ein Versuch, der scheitern mußte, weil er die besonderen Verhältnisse der Inden nicht genügend berücksichtigte. Aber auch die „politischen" Vereine machen eine tiefgehende Wandlung durch. Ter Kampf gegen den Austritt aus dem Judentum ans unlauteren Motiven. verliert allmählich-seine Bedeutung, weil das Selbstbewnßtsein — die Frucht jahrzehntelanger Arbeit vieler Organisationen — bei der Mehrzahl der Inden zu etwas Selbstverständlichem wird. Auch die ständigen Tisknssionen treten mehr zurück, nicht weil das Interesse für die Probleme abnimmt, sondern weil man doch immer mehr erkennt, daß diese erst auf Grund sorgfältig erworbener Kenntnisse gelöst werden können. Tie Vereine werden immer mehr zu Bildungsstätten. Gleichzeitig zeigen die Vereine, die ursprünglich von Akademikern und geistig besonders regen Kausleuten geschaffen worden sind, die Tendenz, die mindergebildeten Schickten anznziehcn. Das erklärt sich einmal aus der Tatsackic, datz in den oberen Schichten die Jugend viel weniger frei ist für soziale Beeinflussung, weil häusig Familie, gesellschaftliche Verpflichtungen, akademische Sonderintcressen die Eingliederung in eine allgemeine Bewegung hemmen. Bei der jüdischen Jugend kommt vielleicht noch hinzu, daß unter den wohlhabenden Juden das jüdsche Gcmeinschaftsbewußtsein verhältnismäßig am stärksten an. Kraft verloren hat. Vor allen Tingcn ist auch diese Tatsache eine Folge des starken Bildungsdranges der Juden, ^ie unteren Schichten ergreifen mit Freuden die Gelegenheit, sich shrtzubilden, ihren Gesichtskreis Zu erweitern. Taraus ergibt sich, daß die Zahl der Jstitglieder ohne höhere Schulbildung zwar absolut viel zu gering ist^ um auf dieser Schicht die Vereinsarbeit aufzu- ") Oe. Erich Simjon. TaS Lernbcdürfnis der preußischen Juden im Lichte der Statistik. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. X. Jahrg.. Hefte, Juni 1914.

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