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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1916-06-15 · 1 (15.6.1916) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
6/7 (1916)
Issue
1 (15.6.1916)
Date
1916-06-15
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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— 5 — Aber allmählich vollzieht sich ein fast vollständiger Ausgleich. Aeutzerlich betrachtet, siegt allerdings die «politische" Richtung zunächst fast vollständig. Das kennzeichnet sich am deutlichsten dadurch, daß nach und nach all die ursprünglich sozialen Vereine unter dem Einfluß des Verbandes ihr Programm ändern und niehr und mehr zu Selbsterziehungsvereinen der Jugend unter starker Betonung der geistigen Mitarbeit der Mitglieder werhen. Es ist übrigens bemerkenswert, daß auch in diesen Vereinen, die von den Organisationen der älteren Generation gegründet würden/ die Leitung von vornherein in den Händen recht junger „Erwachsener" lag. Ter Name „Jünglingsyerein" verschwindet allmählich, ebenso die Verbindung von Bildungszwcck mit irgend welcher Wohltätigkeit (z. B. Krankenpflege usw.). Worin ist die Umwälzung innerlich begründet? Alle soziale, Jugendpflege beruht auf der Voraussetzung, daß eine große. Zahl von erwerbstätigen Jugendlichen dem erzieherischen Einfluß einer häuslichen Gemeinschaft entzogen ist. Tie starke Betonung der Fürsorge für die ortsfremden jungen Leute , bei der Gründung der älteren jüdischen Jugendvereine zeigt, daß man hier von der gleichen Voraussetzung ausgeht. Leider läßt es sich nicht statistisch' Nachweisen, daß diese Voraussetzungen fast durchweg für die jüdischen. Gemeinden nicht gegeben sind. Tie öffentliche Berufszählung gibt zwar Aufschluß über die Verteilung der Berufsangebörigen auf die einzelnen Altersklassen, unterscheidet aber bei dieser Gelegenheit nicht nach den Konfessionen, so daß wir nicht angeben können, auf welche Berufsgruppen sich die jüdische Jugend von 14 tüs 25 Jahren verteilt und wie weit sie überhaupt schon erwerbsfälpg^ist. Aber bereits die allgemeine jüdische Berufsstatistik, beweist die.Richtigkeit der ausgestellten Behauptung. Es gibt unter den deutschen Juden kein eigentliches Proletariat. Tie geringen Ansätze, die dazu vorhanden sind, finden sich in den wenigen Großgcmeinden. Fjankfurp a. M. ist z. B. eine solche, die soziale Struktur der Frankfurter Gemeinde ähnelt in gewissem Sinne der einer wirklichen Stadtgemeinde. Es sind alle gesellschaftlichen Schichten unter den Juden vorhanden, und zwar nicht wie sonst in einigen wenigen Vertretern, sondern in gewisser Masse. Hier findet sich ein verhältnismäßiggroßes jüdisches Proletariat, wie es außerdem vielleicht' noch in Berlin und einigen sächsischen Gemeinden mit zahlreicher ostjüdischer Bevölkerung vorhanden ist. Und es ist bemerkenswert, daß der Frankfurter Montefiore-Verein. der größte der bestehenden Jugendvereine, den sozialen Charakter am besten gewahrt hat und daß der Berliner Jugendbund sich immer mehr zu einem Jugendpflege-Verein entwickelt hat. ) Im allgemeinen aber erfüllt die Schichtung der jüdischen Gemeinschaft die Voraussetzungen eineri sozialen Jugendpflege in den Groß- und Mittelstädten nicht. Nahezu zwei Trittel aller jüdischen 8*

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