Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 6/7 (1916)
- Issue
- 1 (15.6.1916)
- Date
- 1916-06-15
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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— 4 — Auf ganz anderer Basis beruht eine zweite Reihe von Jugend- Vereinen, deren Entstehung in der Hauptsache in die Jahre 1901 bis 1909 fällt. Tas jüdische Leben batte unter dein Drucke des AntisenntiSluus. der die Juden zwang, sich aufs neue weitgehend mit ibren eigenen Angclegenbeiten zn . beschäftigen, einen ungeahnten Aufschwung genommen. Mehr und mehr wurde die Pflicht der Treue erkannt, die der Einzelne, selbst der religiös gleichgültig Gewordene, der bedrängten Gemeinschaft schuldig war. An dem Kampfe gegen den Abfall um deS persönlichen Vorteils willen ist die Jugend naturgemäß besonders beteiligt. Tic Meinnngsvcrschiedeubeiten über die religiöse Entwicklung de? Judentum-:- sowie das erwachte nationale Bewußtsein eine? Teile:- der Juden batten zu stark ausgeprägten 'Organisationen gefübrt. die miteinander in heiligem geistigem Kampfe lagen. Auch diese Entwicklung tonnte aus die Jugend nicht ohne Einfluß bleiben, Und schließlich spielte in der intellektuellen Jugend der starke Betätigungsdrang, der sich vielfach in allgemeinen Organisationen nicht oder ynr unvollständig an:- wirkcn konnte, eine starke Rolle. Man empfand, daß cinb wobl organisierte jüdische Jugend einen Machtfaktor darstcllt. mit dem gerechnet werden mnß. Bei dem legen innerjüdischen Leben, Has die Zeit überhaupt charakterisierte, lag hier eine Aufgabe, bei der politische Begabung und Ehrgeiz wohl auf ihre Rechnung kommen konnten. In den vom Verbände T ü d d eü t s ch e r .Katholischer Arbeitervereine 11909) anfgestellten Leitsätzen für katholische Ingendvercine') beißt es: „Auf Grund ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung hat die Jugend von heute das Recht und die Pflicht, sich gleich den übrigen GesellschaftSschickten zn sammeln, um ass ebenbürtiges Glied zu.m Woblc de? Ganzen und seiner selbst tätig 34t sein." ' Tiefer Latz könnte genau so gut Leitsatz für'die jüdischen Iugendvereine fein. In hiestn Vereinen spielt die geistige Mitarbeit der einzelnen Mitglieder eine ganz andere Rolle als in den „sozialen" Ingendvereinen. Tie TiSknssioncn über „Tagesfragcn" <d. h. die inneren jüdischen .Kämpfe) nehmen einen breiten Raum ein, und leidenschaftlich ringen die jungen Mitglieder mit dem Begriffe „Judentum", der in den älteren Vereinen als etwas selbstverständlich Gegebenes hingenommcn wird. Bei der Gründung des Verbandes im Jahre 1909 kommt cs zN'ischen den beiden Richtungen noch zu heftigen Tcbatten, die auch auf dem zweiten Delegiertentagc 1911 noch einmal auflcben. In dem Normalstatute, das der Verband für die Vereine herausgab, ^eird eine Entscheidung vermieden. *) ZUicrt nach .Ratgeber für sugendvercinigungen- Jabrg. UI Nr. t!'