Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 8 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 216 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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J — 216 — im Zeitaller Lee- Kindes" leben, daß gerade mir Hilden alle Ursache baden, die Bedeutung einer rationellen Zugendpflcge doppelt »nd dreifach so doch;ii liierten, ■ als dies von Seiten i>c4 2taatc-i und der Gesellschaft geschieht. Denn für uns Zuden stebt dabei diel inekir auf dem Spief, tute bei den anderen. Gewiß haben auch wir das Wolil des Staates, der unser Vaterland ist, an erster Reibe zu fördern. Alle die Gesichtspunkte. die für das Eingreifen und die tatkräftige Kördcrung der geistigen, sittlichen und phnsischen Erstarkung des bergnwachscndcn Geschlechtes maßgel-end sind, bestellen für uns deutsche Hilden natürlich in gleicher Stärke. wie iür die. anderen. Aber neben den rein vaterländischen Interessen, die mit der Jugendpflege gefördert werden, laufen für uns andere sehr bedeutsame Zntercssen. Vir sind darauf angewiesen, daß jeder Heranwachsende ende ein Kämpfer für das Judentum und die Zudcnheit werde, daß er erfüll iverde von der Liebe und Begeisterung für seine 'Religionszugehörigkeit, und daß er bereit und imstande spi, dereinst alle jene großen Dienste, die nufere gemeindlichen Znitiiutioncn und unsere großen Organisationen erfordern, besser leisten zu können, als Das gegenwärtige Geschlecht, das vielfach einporgewachfeii ist im Zeitalter eines nun erst halbwegs überwundenen Zndiffcrentismiis gegenüber allen oder den meisten jüdischen Geineinschastsaufgaben. Den Rachivuchs zumindest müssen wir uns schaffen, wollen wir unsere selbstgcschaffenen, so notwendigen großen organisatorischen Gebilde erhalten. Unsere Zugend soll in einem ganz anderen stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl erzogen werden, mi: möglichst größerem jüdischen Wissen, nicht nur religiösen. erfüllt werden, denn wir brauchen „Kämpfer" und Erhalter unserer Gemeinschaft. Ter. Boden des Reiches der jüdischen. Sorge ist ein weiterer, das Fundament der rationellen jüdischen Jugendpflege muß daher, ein viel breiteres fein. Staat und Kommunen wetteifern zurzeit in der Kürsorge um das „Kind" und um die Zugend. Was aber tun. unsere Gemeinden für diese bedeutsame Aufgabe der Gegenwart für die Zukunft? Greisen wir die größte Gemeinde des Reiches, die Berliner, z. B. heraus, die mit einem Sechsmillionenetat wirtschaftet. Wir wollen anerkennen, daß sie in weitestgehendem Maße die ihr von Gescheswegen odti'cgkndc Aufgabe der Erteilung von Religionsunterricht erfüllt, daß sic bemühet ist, immer weitere Kreise der jüdischen Zugcnd dazu heranzuziehen. Wir erkennen auch gern an, daß sie mit, wenn auch nicht allzureichlichcn, Subvcnlionen die privaten Bemühungen fördert, alljährlich eine Anzahl jüdischer pflege- und erholungsbedürftiger Kiyder in die Sommerfrische zu schicken. Allein damit erschöpft sich aber auch so ziemliches alles, was die reichste und größte Gemeinde des Reiches in der Etats-Position Jugendpflege leistet. Dabei ist nicht zu vergessen, daß für den Staat das' Judentum die einzelne Gemeinde ist, er kennt keine Zudcnheit, sondern nur die einzelne Gemeinde ist ihm die offizielle Repräsentation der Zudcnheit. lind diese allein offiziellen jüdischen Körperschaften leisten in der Tat im Zeitalter des Kindes unendlich wenig für die bedeutsamste Gegenwartsaufgabe, die auch für das Judentum und die Zudcnheit in der Zugendpflegc besteht. Soweit cs sich nicht um Jugendpilcge im einseitigen religionspartcilichen oder politischen Interesse handelt.