Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 8 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 208 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I —*208 — lande wtrrbc di^se Vermittlui g in Frage kouimcn und Juden nach allen Ländern des Eckdballs ■ fifiaffcti, die so durch jüdische Arbeit und dichte Ansiedelung von Hilden eine Getrjähr dafür "bieten würden, daß nicht nach einer Zeit die Juden I aus der Wirtschaft des Landes fast ausgeschaltet werden. Neben der Torch: für die Ausbildung der Mitglieder müßte dieser Verband durch sammeln i von statistischem Material über Firmen, die jüdische Angestellte boykottieren, dazu beitragen, dem Publikum Gelegenheit zur >stellungnabme zu geben. Als Form kommt für eine solche Organisation »s e l b st v e r st ä n d l i ch" nur dieeiner freien Gewerkschaft in Frage, da nur diese imstande^sei, die Rechte des Angestellten energisch zu vertreten. Für die technisches Angestellten gelte dasselbe. To weit Herr!Louis Gutmann. — Wenn ich aus Wunsch der Redaktion zu diesen Vorschlägen Stellung nebmc, so gebe ich von vornherein zu, daß dic^ wirtschaftliche Siiot der deutschen Juden in erschreckender Weise im steigen begriffen ist, daß es aus Grinden der selbsterbaltung eine der dringendsten Aufgaben der (hegenwart ist, dieser Not enlgcgenzuarbeiten. Bewiesen ist, daß eine große ^Anzahl Firmen, aus rein antisemitischen Gründen, Juden von' der Besctziing der stellen in iyren Betrieben ausschließen uiid daß manche jüdische! Firma aus iogenanntcm jüdischen Antisemitismus heraus diesem Beispiel folgen. In beiden Fällen wird eine Verbesserung, des Zustandes nur durich den Konsumenten möglich sein. Durch eine rücksichtslose Veröffentlichung solcher Geschäftspraktiken wird vieles zu ändern sein. Der Ausschluß de^t Juden von den Stellungen geschickt aber bei vielen Firmen 'aus falschen Gründen der Sielbsterhaltung, aus Konkurrenzsurcht. In der bcutigen Zeit kann nur ein hanz geringer Beil der im Handelsgewerbe beschäftigten Personen, im Gegensatz zu früher, daran denken, sich selbständig zu macken. Angestellter werden beißt meistens Angestellter bleiben, sie' eine Stellung einzuarbcitcn, um eine einigercrhallcn. Anders liegt cs bei vielen jüdischen Angestellten. Ihr streben gilt der Unabbängigkcit, ihr letztes Ziel ist Selbständigkeit. so suchen sie sich in möglichst kurzer Zeit in vielen Betrieben umzusehen, dort! zu lernen, utid werden dabcr nach einiger Zeit oftmals eine für den frühere» Arbeitgeber gefürchtete Konkurrenz. In der Agentur-, Makler-, Vcrsicherungsbranche usw., wo vielfach das Geschäft lediglich von der Person abhüngt, wird daher zum großen schaden der Gesamtheit der jüdischen Angestellten vorzugsweise christliches Personal angestellt. . Auch dieser Zustand wird bei genügender Aufklärung zu ändern sein. ^Herr Gutmann führt sehr richtig den Centralverein deutscher slaatsbürgejr jüdischen Glaubens an und ich glaube, daß es diesem vielleicht in Gemeinschaft mit der Großloge und dem kürzlich ins Leben gerufenen Wirtschaftlichen Ausschuß unseres Verbandes der jüdischen Jugendvcreine Deutschlands gelingen wird, manchem'der geschilderten Uebelstände abzuhelfen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Beratung für die Berufswahl der jüdischen Jugend, um eine Abwanderung der Judeü in die landwirt'chaftlichen und gewerblichen Berufe zu erzielen. Auch muß gesorgt werden, daß die jungen Leute stelsuchen sich darum möglichst in maßen gesicherte Existenz zu