Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 8 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 206 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 2(H)— daß Menschen ujnd Völker unsauber sein und doch das bildhckft Schöne leben und schafsin können, oder reinlich bis aufs letzte Ltäubchen und doch klägliche B mausen sein können. Uebrigcns ist die praktische Plastik eines Volkes nur eines neben vielen anderen Stilgebieten, ans denen es seine Eigenart im Massen- und Gesellschaft sieben schöpferisch auslebt, lind auch^auf allen die. sen anderen Ge steten, mit ihren Tausenden und aber Lausenden von eigentümlichen Gewohnheiten, Sitten, Bräuchen, zeigen die Ostjuden Selbstündigkeit^und Besonderheit. Sie haben ihre eigenen Hochzeitsnnd Begräbnisheierlichkeiten, ihre eigenen Tänze und Kinderspiele, ihr eigenes Lachen sind ibr eigenes Weinen, ihren eigenen Humor und ihr eigenes Pathos ihre eigenen Berkeürssitten und Leidenschaften, und nicht nur ihre eigenen Straßen, Stadtteile und sogar Städte, sondern auch ihre eigenen Straßen- und Stadtphysiognoinien. So stellt sitz »ns denn die Ostjudenheit am Schlüsse unserer Betrachtungen al^ ein .Phänomen dar, das ebenso aus den Höhen der religiösen Extasse »nd des künstlerischen Erlebens, als in den wichtigen und unwichtigen Geschehnissen .und Einzelheiten des Alltags seine Einzigkeit dartut. Wir hasten sie als eine große geschlossen^, von jüdischen Lebessgesetzen bestimmte, in eigenen jüdischen Lebensformen sich realisierende eigene Kulturgemeinschast sestgestelst und in dieser Wesenheit das Moment erkannt, das sie von der WeKudenbeit unterscheidet. Wir haben sie als einen großen jüdischen Kulturblock kennen gelernt — vielleicht den größten, den es jemals gab — von innerer Bewegung erfüllt, reich an Vergangenheit, gegenwartsstark und zukunftsvoll. i