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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1914-08-01 · 8 (1.8.1914) · p. Seite 199

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
5 (1914)
Issue
8 (1.8.1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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199 — Artung der Gegensatz zwischen Lst- und Westjuden — den wir übrigens trotz seiner mannigfachen.längeren Vorbereitung erst seit ungefähr hundert Jahren als Plötzlich gereiften und wirklich entschiedenen kennen — ani stärksten und bedeutsamsten ist. Tie erste Frage des Westjuden, der. sich über den geistigen Be- . stand des Ostjudentums informieren will, wird wohl den Bildungsverhältnissen gelten. Dabei wird er natürlich nur die Art von Bildung iiv Auge haben, die er bei sich zu Hause kennt und als die allein mögliche und richtige anzusehen gewohnt ist. Wird dieser Gesichtsvunkt akzepiert, dann muß die Antwort dahin lauten, daß im .Gegensätze zu den Westjuden, die fast durchaus eine beträchtliche Schulbildung, geniesten und mit einer kleinen Uebertreibung alle als Intelligenzler betrachtet werden können, bei den Dstjuden nur ein verhältnismästig kleiner Prozentsatz die regelmäßige Stufenleiter der Schulklassen und Schulen durchmacht, während die Uebrigen, soweit nicht Autodidaktik Ersatz schafft, ohne Bildung bleiben. Und diese Sachlage erscheint dadurch noch akzentuierter, daß sich derzeit, infolge hier nicht zu erörternder geschichtlicher Tatsachen, der größte Teil derjenigen, die einer höheren Bildung teilhaftig werden, dem Typus der Gesamtheit in Lebensanschauung und Lebensführung völlig entfremdet, also eigenrlich nicht mehr mit vollem Rechte dieser Gesamtheit zugezählt werden. .. kann.. . Rust beginnt ja gerade in den letzten Zeitläuften eine neue ostjüdische ^Intelligenz anfzukommen, die den ostjiidischen Gemeinschaststypus stMticr mehr behält und ihn dabei mit hinein Bildungssystem zn vergesellschaften sucht, das entweder als rein westlich oder als eine Mischling des westlichen mit 'dem alten ostjüdischcn BildungSsystein ’-fgedacht ist. Doch dieses letztere selbst, ganz für sich betrachtet, braucht fick auch nicht so behandeln zn lassen, als hätte eS keinen irgendwie an- * zurechnenden Wert. Gewiß, es beruht lediglich auf dem überlieferten Schrifttum, d. h. es ist alt und einseitig. Dafür sättigt es aber seine Beflissenen mit alten sicheren Kulturinstinkten und ist frei von jenen Fehlern der Bielseitigkeir, die, an der westlichen Bildung, heute so vielen ernsten pädagogischen Denkern Kopfschmerzen verursacht. Gewiß auch: es beeinträchtigt die Anschauung. Dafür .aber schärst es den Geist und gibt Gepräge und Halt. lind nur vollkommene Unfähigkeit, diametrale Gegensätze auseinander-yhalten, kann'in Versuchung kommen, ein Volk, das durch eine, solche Schule gegfllMn ist (übrigens auch fast' gar keine Analphabeten kennt), als ^«Aeoildet" irgendwelchen Barbarenvölkern an die Seite Ln stellen- Im übrigen trifft diese ganze §^rg^kMdie Bildungsverhältnijst der Dstjuden nicht den Kern der UAsWh^beschästigt. Dvtsts gleichgiltig, cb Bildung eine AlkeMWfaHung» ha^Mie im Westen, oder streng sanderartig ist, wichß^Men-'Oftjuden -^st^lst doch immer nur Wirkung und Technik eiiO^tzistiiKt-geistidien^Äns und seine/ Ausdrücke. Wir aber wollen doEwDl dieses. iW^k-stnd seine Ausdrücke selbst kennen lernen. Wr-tvdiWl choch hiHEcht feststellen, was die Lstjnden gelernt haben, sdndeim «as sre in ihrer ganzen geistig gesellschaftlichen Menschlichkeit vorsteklen, wodurch sich ihr Wesen und' wesentliches Leben gegenüber dem der Westjuden abhebst ». .* 1*

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