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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1914-06-01 · 6/7 (1.6.1914) · p. Seite 179

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
5 (1914)
Issue
6/7 (1.6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 179 (sequence 19)
Language
German
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— 179 — die Selbständigkeit von kurzer Dauer und der Beruf eines Waren- oder Versicherungsagenten, deren es schon übergenug gibt, ist die letzte Zuf luchtsstätte. Sehr schlecht lind auch heute bie Aussichten für die jüdischen kaufmännischen Angestellten in der Stadt. Die Frauenarbeit hat die. Gelälter gedrückte Die Zentralisation der Betriebe, die Trusts, die Großbanken haben einträgliche Posten verhältnismäßig selten gemacht. Dazu kommt seit einigen Jahren eine bedauerliche Ueberschätzung des Adeligen, des Reserveoffiziers und des Assessors oder sonstigen Negierungsbeamten mit Titel a. D. Dies sind Eigenschaften, welche in keinem Fall voraussetzen lassen, daß Heren Inhaber sich zum staufmann tzignet. Ter tüchtige Fachmann arbeitet unter solchen Leuten als Handlanger. Unter seine Arbeit setzt der Vorgesetzte seine Unterschrift und erntet deren Erfolg. Ferner ist zu Zähnen die ungerechte Zurückijrängung des jüdischen Elementes. Vielei Großbanken (Reichsbank, Schaaffhausencr Bankverein u. a.) stellen prinzipiell keine Juden an. ^a ist es denn ganz besonders beschämend daß viele Juden in'Aussichtsrat- und Tirektorstellen ihren mächtiger Einfluß nicht gegen diese Ungerechtigkeit aufbieten. Im Gegenteil, viele dieser hochgestellten Herren halten sich gesbhästlich wie gesellschaftlich von jeder Protektion ihrer Glaubensgenossen fern. Halb ist es falsche Scham, halb ist .es Hochmut, was sie daran hindert. Zudem geht uns der Einfluß dieser streife teils durch Mischehen, teils durch Ta rsen vielfach verloren. Wir sehen also, die Aussichten des Lcmdjuden, seine Lage durch Wegzug nach der Stadt zu verbessern, sind sehr gering, llnsere Brüder haben auch dort einen harten Kampf um ihre Ersstenz zu verfechten. Als unser Prophet Moses, nach seiner Berufung!, von Midian nach Aegypten zurückkehrtc, brachte er seine Frau und!seine beiden Söhne init. Sein Bruder Aaron, welcher ihm vor der Stadt begegnete, fragte ■ /ihn: „Wer sind diese da?" — Moses erwiderte: „Es sind meine Frau 'und meine Söhne." — Ta sagte ^laron: „Gibt es nicht geknechtete Juden genug in Aegypten? Warum willst Tu ihre Zahl vermehren?" — Und Moses sandte seine Frau und seine Söhne zurück in die Heimat-, seiner Frau. — Gleiche Gründe sind es, welche veranlassen können, die Landjuden vor dem Zug nach der Stadt zu warnen. Mer wenn wir die Juden auf dem Lande zurückbalten wollen, so ist es unsere Pflicht, zu raten, was zur Verbesserung ihrer Lage geschehen kann und ihnen dazu'zu verhelfen. Auch beute gilt noch der Satz: „Ein Jude bürgt für den anderen." IV. . \ Wenn wir nun die Lage der Landjuden verbessern wollen, so wissen alle, welche dieses Ziel erstreben, daß ein solcher Umschwung nicht von heute auf morgen kommen kann. Die jetzige Generation kann diesen Umschwung kommen sehen, die Heranwachsende Generation wird ihn genießen. Zwei Wege stehen zu dieseck Ziele offen. Ter erfte; ift, dem Juden in seinen bisherigen Berufen ^bessere Existenzbedingungen zu schassen und der zweite Weg verlangt die Erschließung neuer Eristenzmöglichkeiten.

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