Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 6/7 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 175 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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17o — ist das kaufmännische Gewerbe ein vollständig freiem Berns. So find überall auf allen Törfern und Weilern kleine Läden entstanden, welche' mit großer Feindschaft jeden Hausierer oder Kaufmann betrachten, welcher in ihrem Torfe Geschäfte machen will. Mehr oder weniger richtet sich die Kundschaft des jüdischen Geschäftsmannes doch nach dem ortsansässigen Ladeninhaber. So wenig leistungsfähig dieser auch sein mag, der jüdische Hausierer wird mij langsamer Gewalt verdrängt. Auch; der erst in den letzten 20 Jahren aus den Plan getretene. ckMstlichc Hausierer versteht es mit antisemitischen Redensarten, den jüdischen Konkurrent« n zu schaden. Nicht die Reellität des Verkäufers und die Güte seiner Ware behauptet den Platz, die 5tonfcssion entscheidet nur, zu oft das Zustandekommen eines Geschäftes. Noch ein anderer Hni-' stand wird in absehbarer Zeit den Landhansierhandel unuöglich machen. Tas Gcschrü dieser kleinen Landkrämer hat schon fertig gebracht, das; viele Artike durch die Reichsgewerbeordnung dem Hausierhandel ent» zogen wurdm. Wenn jetzt der dem Reichstag vorliegende Antrag des Hausierverbotes von Herrenkleiderstossen «Gesetz wird, so ist das Geschäft von Tausenden von Landjndcn der Vernichtung anheimgegcben. Tazn komnt eine seit Jahren in. fast allen deutschen Bundesstaaten wachsende enorme Besteuerung des Hausiergewerbes und Tetailreisens.' Mit den Läden auf dem Lande ist es für die Juden nicht besser bestellt. Vor allem ist in weitaus den. meisten Landgemeinden zu beachten, daß die Beamtenschaft jüdische Geschäfte ohne alle Ursache meidet. Tie Bürgerschaft folgt kritiklos diesem traurigen- Vorgehen. Unter den Juden selbst ist aber so wenig ^Solidaritätsgesühl vorhan» den, dasd fast alle jüdischen Ladeninhaber auf dem Lande darüber klagen, daß ihre Glaubensgenossen olft jahrelang ihren Laden nicht betreten. Wie aus dem flachen Land, jfo ist in den Lrten, wo der. Jude ansässig ist, den Juden das Geschäft ans der Hand genommen. Tie christlichen Handwerker haben zum großen Teil das Handwerk an den Nagel gehängt und die Schürze ausgezogcn. 'Nur nebensächlich wird das Handwerk betrieben. Wo ein Schuhmacher war, ist jetzt ein Schuh« laden, die Spengler haben Geschäfte für Haushaltungsartikel, die Schlosser führen Eisenwaren, bei den Schneidern liegen Stoffkollek» - lionen auf und dazu kommt eine unendliche Reihe neu entstandener Geschäfte der Lebensmittelbranche. Wenn wir nun glauben, mit der Aufzählung der dem Landjndcn die Eristenz raubenden Momcnte-am Ende zu sein, so ist dies ein Irrtum. Wir haben zunächst die Konkurrenz der großstädtischen Geschäfte und Versandhäuser noch nicht erwähnt. Leider sind es hier die Juden selbst, auch dies muß gesagt werden, welche den größten Schaden stiften. Um ja recht modern und elegant zu sein, genügt ihnen häufig der Einkauf auf>dem Lande nicht mehr. Die Personenzüge nach den Großstädten bringen täglich eine große Anzahl jüdischer Landfrauen dorthin, welche dort ihre Toslettcn, ihre Schuhe, ihre Hüte kaufen. Tie Katalojge der Versandgeschäftc'finden kein zugänglicheres Publikum wie dig jüdische Familie auf dem Lande. Den schlimmsten Schaden für das Geschäft auf dein Lande hat aber die Entwicklung der Rasfeiscnvereino gebracht. Wo auf irgend einem Gebiet ein großer Umsatz zu erzielen ist, haben Genossenschaften das Geschäft an sich gerissen. Ter Bezug rjpn Kunstdünger; das Bank»