Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 6/7 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Versorgung der Töchter init kleinem Heiratsgut war noch möglich. Selbständige Berufe Leben und ihre Erzi Tie Söhne kaurcn in Aussicht, vorwärts der Spitze zahlreicher Reisende war gesucht hielt nur bis in die — 174 iijr die Töchter kamen noch nicht in Betracht. Ihr chung entsprachen Jahrtausende alter Litte. — >ic Stadt in die Lehre und tüchtige Kräfte hatten i kommen. Es gab noch nicht die Millioneneilikommen von heute: Aber der Turchsclmittsangestellte war verhältnismäßig bcisergi stellt und in seiner Tätigkeit selbständiger wie dies heute der Fall is.! Tie Großbanken begannen sich erst langsam zu entwickeln, die Industrie florierte. Ter jüdische Kaufmann stand an angesehener Geschäfte und Institute. Ter jüdische der jüdische Kontorist durch seine Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit i bierall geachtet. Doch dieser erfreuliche Zustand Gegen Ende der wegung begann zu Antisemitisnius in ' -die Stöckersche Saat letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts an. tt. (Oer Jahre war der Aufschwung der Industrie durch den'großen Krcch auf einige Zeit zurückgehalteu. Wenn anch manches Vennögen Damals in Trümmer ging, so ist eine Reinigung 1h Industrie doch. auch gleichzeitig von Nutzen. Terarrige Katastrophen sind unausbleiblich, sie werden sich immer wiederholen. Aber diu damals auftauchende Stöckersche Richtung gab einzig und allein den Juden die Schuld und die antisemitische Bear rchsen. Wenn auch heute der parlamentarische Deutschland so gut wie keine Bedeutung mehr hat, üt doch aufgegangcn und ihr Unkraut wuchert in den Herzen von Millionen Teutschen. In den Herzen der Offiziere, der Beamten und vielnanderer Staatsbürger. Tie erste Folge war, daß den Juden alle Staatsämter verschlossen wurden. In dem Kauf» 'inannsstand entstandu dem jüdischen jungen Mann im Laufe der 86ev Jahre neue Konkurrunzen. Tie Frau als Kontoristin drückte als billige Arbeitskraft ti< Höhe des Gehaltes. Bauern, Handwerker führten ihre Söhne niehsals früher dem Kaufmannsstand zu. Der Antisemitismus begann jüdische junge Leute vom Engagemeut auszufchließen. So - entwich:lte sich in gefährlicher Wechselwirkung mit der Lage der Stadtjuden die schlimme Lage der Landjuden. Heute ist die La^c der Landjuden wie folgt gestaltet. Tas Land ist in d^r Regel als Tomizil für große Geschäfte nicht günstig. Mangel an geschulten Arbeitskräften, Abneigung seitens des Personals gegen das lvenig unterhalimme Land haben längst dazu geführt, daß die großen Geschäfte in die Stadt abgewandert sind. So finden wir denn auf dem Lande nup Kleine Geschäftsleute, welche mehr oder weniger gute Ladengeschäfte jbbtrctben und gezwungen sind, wie ihre Dorfahrcn, Tag. für Tag ihr^n Landkreis zu besuchen. Bis Ende des vorigen Jahrhunderts ist manches schöne Vermögen auf diesem Wege ehrlich und redlich erworben worden. Aber nirgends hat sich die Arbeit eines Gewerbes gleich vern^ehrt, und der Ertrag gleich vermindert, wie bei dc^n jüdischen Warengeschäft auf dem Lande. Während die selbständige Ausübung vieler Berufe von einer Konzessionierung oder Prüfung abhängig ist (sogar die iFührnng des Meistertitels eines Handwerkers),