Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 6/7 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 163 — wenn's nötig würde, wage es nicht, dieser Hauptes und der ganzen Menschheit zum Trotz dos Letzte und Beste hingeben würden? Ich Frage nachzugehen! Ich wage es nicht angesichts der erschreckenden Teilnahmlosigkeit und der erschreckenden Unkenntnis, die seit Jahr und Tag innerhalb unserer Jugend grassiert. Wohl bekennen sich Viele mit dem Ansdruck des Selbstbewußtsein^ zu uns; aber dieses Selbstbewußtsein ist nur Schablone: Es fehl ihm der sprudelnde Quell, aus dem heraus der Mensch von innen h>r weiß, warum er für ein Ideal kämpft. Auch das Negative genügt nicht. Nur Jude zu sein, weil ich verfolgt werde, Notwehr-Judentum, ist ein Wahnjudentum. Wer sich nur zu uns rechnet, weil wir eine verfolgte Gemein- . schast sind, ist schon verloren. Solche Notwei rjudcn können keine Taten in unserem Sinne in der jüdischen Geschichte erzeugen. Ich will nicht den Ursachen dieses Niederganges nachsinnen; ich will nicht fragen, ob Eltern, Rabbiner oder Lehrer, ob keiner allein von ihsten oder ob sie alle Schuld tragen an diesein traurigen Zustande; cs kann auch für den Zweck unserer Untersuchung dahingestellt'-' bleiben.: Nur das müssen wir uns fragen: Gibt cs eine Abhilfe? Läßt ■ cs sich.bessern? Tie Not der Jugend ist in erf cr Linie eine religiöse und soziale. Ich spreche dabei nur von der Notlage' der deutschen jüdischen Jugend. Glauben wir, Judentuiu, Thora durch Katechis- - mus in der Schule einimpfen zu können? Sind wir noch so töricht, zu glauben, eine Lehre, die alle Poren des Lebens durchdringen joll, könne inan in trockene Formeln einbalfainierc t? Hoffen wir nvch, Leben, wahrhaftiges Leben, jüdisches Leben au? starren katechctiscbeii Normen hervorzanbern zu können? Sind wr noch oder schon so assimiliert, daß wir es in diesein Punkte den a idcrn nachtun wollen? Wenn wir in diesein Sinne die Jugend erzielen wollen, möchte cs. ratsamer sein, den Kindern überhaupt kein Judentum bcizubringeu. Tas Kind muß lernen, es »niß in seinen freien Stunden in alle' Wissensgebiete des Judentums hineingeführt werden. Es darf nicht . an der Oberfläche haften bleiben, sondern muß selbständig eindringen lernen in die vielverzweigten Gänge jüdischen. Wissens. Dafür muß jeder Vater, jede Mutter Zeit gewinnen. Man kvmme uns nicht mit der Klage:'Mein Kind ist überlastet!. Hat > ja» doch Zeit für .alle möglichcit, bei weitem nicht so schwer wiegenden Tinge, von denen man wähnt, daß das Kind sie nicht entbehren llars. — Und wenn,das > Kind die Schule verlassen bat, dann muß öii'j religiöse Fortbildung einsetzen. Viele haben geglaubt, nachdem dqs jüdische Kind, den Religionsunterricht in der Schule genossen, s<ji es nicht mehr nötig, „ nach dieser Richtung hin fortbildcnd auf es psnzuwirken: Es könne aus diesem Fundamente durch das Leben lsiindurcheilen. Tas ist; , grundfalsch. Ter oberste Grundsatz des Judentums ist: „Talmud, Thora kneged Kulom!" Tarum sage ich: Sucht die Möglichkeit, auf die schulentlassene Jugend in systematischer Weife jüdisch einzuwirken! Sucht ihr nach der Entlassung aus der Schule jüdisches Wisseij in verstärktem Matze beizubringen! Nach dieser Richtung hin haben die . Vorstände der Gemeinden bisher ungeheuer tjitbl versäumt. Es mag - das daran liegen, daß an der Spitze vieler jüdischen Gemeinden Män- ' ner stehen, in deren eigener Lebensführung dif jReligion ein durchaus