Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 5 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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— 131 — unseres Befreiung sfestes wohl begreislich wäre, die, mich so hochgespannte Ärwartun;en aus unsere Sache setzen läßt. Wer nicht jeglichen politischen Instinktes bar ist, dein kann es nicht entgangen sein, daß gerade dNrch die ernsten Geschehnisse, die sichum den Sprachenstreit in Palästina gru opiertcn, eine neue Epoche in der inncrjüdischen Politik bei uns in Deutschland geschaffen worden ist. Als im Momente höchster Erregung die feindlichen Brüder ^iir einen Augenblick die Larve lüfteten und sich ins wntentstellte Antlitz starrten, da waren beide gleich entsetzt über di^Verhecrung, r ie wilde Leidenschaft im Gesichte des Bruders angerichtet hatte. 1 :ie Ruhe, die seif diesem Momente höchster Erbitterung innerhalb der deutschen Judenheit eingekehrt ist, entstand nicht durch beschwichti iende Worte von noch so hochstehender jüdischer Seite; sie ist unseres Erachtens durch eine Art von Ehokwirkung ob dem eignen Tun bela ngt: „So kann es nicht, weiter gehen, wenn nicht.der jüdische Boll?körper elend zerschnnden werden soll," - - sagten sich in den letzten Wachen alle deutschen Jude», die einer besseren Einsicht fähig waren. l »i> nun gilt's, die Stätte, zu bieten, auf der man sich findet, um sich lc ngsam wieder einander zu nähern. Würde nicht unsere „neutrale" Jugendorganisation längst besteht, heute müßte sie aus der Rot der Zeit heraus neu gefckxiffen werden. Tie uns. früher schalten, weil wir unsere Vereine nicht z» Tummelplätzen der Parteien machen ließl'n, werden uns nun bald wegen unserer Neutralität segnen. Wir sind nicht so verblendet, daß wir glaubten, Parteiungen und die durch sie erwachsenen Differenzen ließen sich irgendwie unterbinden, die ganz:! Judenheit ließt' sich uniformieren. Aber wir waren und sind fest davon durchdrungen, daß es für Menschen eines Stammes, einer großen Familie möglich fein muß, die Parteiinteressen für eine Weile zu unti «drücken und sich mit" Andersdenkenden, aber Gleichfühlenden zu g, incinsamer Arbeit zusammeilizufinden. „Neutralität" war uns darum nie ein schwer oder nicht erklärliches-.Schlagwort. sondern wir verstanden darunter stets die Beseitigung der Reibungsslächen und die Scküffung einer recht großen gemeinschaftlichen Interessensphäre. Bei solcher Auffassung . mußten wir natürlich aus Mitarbeiter verzichten, den m in gewisser.Hinsicht der zramps Selbstzweck ist, aber andererseits konnte nur so unser neutraler Verband den Stürmen, die in den letzten Jahren die deutsche Judenheit durchzitterten, standhalten und heil so manche Zlrisis überdauern. Dein oft geschmähten Begriff „neutral" ein Loblied zu singen, haben darum nicht nur wir allen Anlaß; wenn ichs an dieser Stelle besonders eindringlich tat, so geschah's mit besöndcrer Rücksicht auf die kleinmütigen in unseren Reihen, die unter )em Eindruck jeder Neuen Modeströmung fürchten, nun würden die neutralen Jugendvereine 1 * ''