Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 4 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 109 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 109 — färben da! Dre Dämmerung war eingetrcten und mit! ihr, ein doplltes Berauschen an der göttlichen Natur! Ter Endweg bis nach Niedersfeld führte uns teils durch Wald, ils durch starkes Fclsengeklüft. Wir hören noch das leise Flüstern du Bäume untereinander und in der Ferne vernehmen wir nöch das n elodische Plätschern des Wassers. . Diese Tag- und Abendwandcrung lässt sicherlich besonders viel Erinnerung in uns zurück! Erst nach 8 Uhr abends erreichten wir,unsex Quartier. <25 Kilometer.) ‘ ■ i Tag. . t i Er -sollte uns von ^iscdersscld nach Btiloii-Wald führen! Des Rlorgens fanden wir die Landschaft in ein weißes Kle^d gehüllt — es schneite: also wieder etwas Neues und dadurch schon gerieten wir> in Begeisterung. Von den Felsblöcken des Dhrensteinberges, 729 Meter hoch, hing's. - zum Achsenkreuz und liier brachen sich die. Teilnehmer Duarzstiickchen ab — als Erinnerungszeichen. I , Nun kletterten wir herunter, uns von Baum zu Baum au pp»' Zweigen haltend, gingen dann vorsichtig, wie auf einer Jndianerfährte, zwischen den Hügeln bin und her, -freuten uns über unsere Abenteuerlust und waren in einer seltsamen Verfassung: ein Giemisch von Sensationslust. . ■ j. lieber Bruchbauscn kamen wir zu den Bruchhaufer Steinen, zum Goldstcin, Bornstein und Ravenstein (von ^sten nach Westens, und hier erlebten wir Wunder über Wunder: erst allmählich, dann immer deutlicher erblickten wir in einem der Gesteine die täuschende jAckm- ' lichkeit mit dem Großen Kurfürsten.! Wir rasteten hier, um uns das Naturgeniälde, dessen -Gewalt rr'ns bannte, länger zu betrachten. Auf dem Wege bis hierher fanden wsr groszc, schwere Steine und Platten; sie sahen oft aus wie Grgber. Einige kreisrunde, fürchterliche Löcher mit zerfallener Ummaüerung vergrößerten noch die Romantik dieser Stätte. Auch diese Stelle haben wir nicht vergessen. }!~ Von hier aus ging es weiter über den Ginsterkopf (601 Metels und Holbcrg (651 Meters nach Brilon-Wald. I Unterwegs zeigte sich die Natur noch häufig in ihrer Fülle und Schönheit und die Dörfer lagen unter uns da wie Baukästen, die Farbenpracht der Abendsonne darüber ausgegossen.! Gegen V_>5 Uhr kamen wir in Brilon-Wald an und um Ubr fuhren wir über Hagen, das noch in angeregtester Stimmung -durchzogen wurde, nach Cöln zurück, wo wir gegen 10% Ubr Abends landeten. (22 Kilometer.) Diese drei Tage gleichen einem Lebenslied. Tie Natur gab uns herrliche Stunden, von deren Genuß nur diejenigen ein Ahnen-haben, können, welche die Tour mitmachten. i iv Wenn der Abend kommt, formen > sich diese Stunden zu jkutein prächtigen Lied — wir hören es rauschen, das Lied vergangener! Tage. Sie werden uns unvergeßlich bleiben! , . 6öln, 8. März 1914. I Alfred S ch nf i tz.