Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 4 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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- yy — setzen, ohne jedes geistige Wesen, das ja doch nur ein „gassörnstge^ Säugetier" sein könnte. — Gex en solche Leute käinpsen Götter selbst vergebens." - Ter Haeckelsche Monismus ruht auf einer mechanistischen N^turaufsassung, deren Grundzüge aus dem siebzehnten und achtzehnten" . Jahrhundert; stammen. Diese mechanistische Naturauffassung: behauptet, es niiiffc und könne sich alles mechanisch erklären lassen^ den „lern der Wirklichkeit bilde eine „Mechanik der Atome". Ehemie^und Physik sollen uns den Schlüssel zum Wesen des organischen und des . seelischen Gebens geben. Diese mechanistische Natur'ahifsassung ist aber im Lcufe der letzten Iah rjel);iit'c vollständig z u s a m in e n g e b r o ch e n. Mehr und mehr stellt es sich als unmöglich heraus, Leben und Bewußtsein mechanisch erklären zu können. Es gibt keine Weltanschauung, die stärkerj im. Widerspruche! mit der gegenwärtigen Wissenschaft steht als! der Hacckel'fche Äfkonismus. . Im folgernden deute ich kurz einige Punkt? an, von denen aus sich Sie llnhaltba^keit der mechanistischen Natiirauffassiing erkennen faßt: Das Ücbcn jöll nur eine Summe komplizierter cheinisch-physikalifcher Prozesse iein,lder Organismus eine Maschine.! Daß sich im Organismus chemische und physikalische Prozesse abspitleii, bedeutet noch sticht^. das; diese Prozesse das Wesen des Gebens ausmachen: denn ibicic hämischen und physikalischen Prozesse sind in, Organismus derartig angeordnct, l>aß sie zu einer planmäßig geordneten Leistung führen. Damit ist ein Prinzip der „Zielstrebigkeit" gegeben, das ist, der anorganischer Natur nicht zu finden ist. Svlbst wenn wir. bis' ins. einzelne hinein alle chemifch-phyfikalisckm, Prozesse des lebendigen Organismus kennen würden, so würden wir deisi Näticl der zielstrebigen Leistung, dieser Prozesse um nichts näher gekömmen sein. Oder,! wie es einmal von medizinischer Seite formuliert worden ist: „Das Leben läßt sich woh mechanistisch erforschen, weil mechanische Porgänge darin ablaufen, aber nicht mechanistisch erklären." - l Auch das einzelne Organ einem physikalischst, Apparat gleichzusttzen, ist irresührerst wenn man dadurch glaubt, die Aktivität des Organs mechanisch erklären zu können. Bunge hat in seinem Lehrbuchs der physiologischen Ehemie diesen Irrtum glücklich ausgehellt: Das Auge z. B. kann als physikalischer Apparat, als eine «Imc-nrr» be- . trachtet werden. Aber die Entstehung des Nehhautbildcs ist gar feine Lebenserschei lung. Dgs Auge ist dabei vollständig passiv. Das Netzhautbild kommt auch än dem aysgeschnittenen toten Auge Zustande. Eine Lebenscrfcheinung ist die Entwicklung des Auges. Eine Lesens- , erscheinung ist die Akkomodation der Linse. Was sich physikalisch er- ' klären läßt, [inb Borgänge, bei denen die betreffenden Organe höllig passiv in Mi Schwingungen versetzt werden durch die von außen in sie eindringenden Bewcgungsvorgängc. „Ich behaupte," so schreibt Bunge, „alle Vorgänge in unserem Organismus, die sich mechanistisch erklären lasstn, sind ebensowenig Lebenserscl>einungen wie die Bewegung der Blätter und Zweige am Baume, der vom Sturm gerij'ttelt wird, oder wie die Bewegung des Blütenstaubes, den der Windsher-- überweht vor der männlichen Pappel zur weiblichen. Hstr habest wir